International
13. Sitzung der Deutsch-Kasachischen Regierungskommission
7. Oktober 2015
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Vize-Außenminister Kasachstans Alexej Wolkow und Bundesbeauftragter Hartmut Koschyk unterzeichnen das Kommuniqué der 13. Deutsch-Kasachischen Regierungskommission für die Angelegenheiten der Deutschen Minderheit in Kasachstan

Am 6. Oktober fand in Astana die 13. Sitzung der Deutsch-Kasachischen Regierungskommission statt, die sich mit den Angelegenheiten der ethnischen Deutschen der Republik Kasachstan befasst. Die Sitzung wurde vom Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Herrn Hartmut Koschyk MdB, und dem zuständigen Stellvertretenden Minister für Auswärtige Angelegenheiten der Republik Kasachstan, Herrn Dr. Alexey Volkov, als Ko-Vorsitzender geleitet.

Im Abschlusskommuniqué der 13. Sitzung der Deutsch-Kasachischen Regierungskommission für die ethnischen Deutschen der Republik Kasachstan zog die Kommission eine positive Bilanz der im Jahr 2015 durchgeführten Fördermaßnahmen zugunsten der Kasachstandeutschen. Sie stellte fest, dass die Unterstützung insbesondere in den Bereichen Kultur-, Jugend-, Sprach- und Begegnungsstättenarbeit einen wesentlichen Beitrag zur weiteren ethnokulturellen Entwicklung der Kasachstandeutschen geleistet hat. Die gemeinsame Arbeit zur Unterstützung der ethnischen Deutschen der Republik Kasachstan soll fortgesetzt werden, wobei sich die Fördermaßnahmen dabei auf die sozial-ökonomischen, kulturellen und bildungsbezogenen Bereiche konzentrieren sollen und auch andere Bürger der Republik Kasachstan einbeziehen können.

Hp DSCF3728Die Mitglieder der 13. Deutsch-Kasachischen Regierungskommission für die Angelegenheiten der Deutschen Minderheit in Kasachstan im Kasachischen Außenministerium

Bundesbeauftragter Koschyk erklärte, dass er tief beeindruckt davon sei, welche Wertschätzung Kasachstan seinen Minderheiten entgegenbringt. „Dass sämtliche nationale Minderheiten einmal jährlich unter dem Vorsitz des Staatspräsidenten zusammenkommen, zeigt deutlich, dass die nationalen Minderheiten auf der einen Seite als integraler Bestandteil des kasachischen Volkes angesehen werden, aber auf der anderen Seite auch in ihrer Unterschiedlichkeit – ihren Sprachen, Traditionen und Gebräuchen – gefördert werden.“ Koschyk würdigte, dass in der diesjährigen Vollversammlung die deutsche Minderheit im Fokus stand und Leo Schick, einer der Pioniere der Selbstorganisation der Deutschen Minderheit in Kasachstan, von Präsident Nursultan Narsabajew für seine engagierte Mitarbeit ausgezeichnet wurde.

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Kasachstan sind für Koschyk von gegenseitigem Vertrauen geprägt und profitieren zum einen davon, dass seit 1992 rund 930.000 deutschstämmige Bürger aus Kasachstan ein neues Zuhause in der Bundesrepublik Deutschland gefunden haben, zum anderen aber auch davon, dass nach wie vor 182.000 Deutsche in Kasachstan leben. Es liege daher auch künftig im beiderseitigen Interesse, der deutschen Volksgruppe eine dauerhafte Lebensperspektive in Kasachstan zu bieten. Dazu gehört neben einer angemessenen wirtschaftlichen Perspektive und sozialen Sicherheit auch die Möglichkeit der Bewahrung ihrer kulturellen Identität. „Es sollte unser gemeinsames Ziel bleiben, die Lebensbedingungen der Bürgerinnen und Bürger deutscher Volkszugehörigkeit in Kasachstan so zu gestalten, dass sie zum einen dauerhaft eine aktive Rolle in der kasachischen Zivilgesellschaft einnehmen können. Zum anderen sollte es ihnen möglich sein, die wichtige Funktion als zusätzliche Brücke der Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern auszufüllen“, so Bundesbeauftragter Koschyk.

Koschyk verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass sich zur Zeit eine Wissenschaftlich-praktische Konferenz in Astana mit dem Titel „Ethnisch Deutsche Kasachstans: Eine Brücke zwischen Astana und Berlin“, damit beschäftigt, wie die „Brückenfunktion“ der Kasachstandeutschen weiter ausgebaut werden kann. Dem Ziel des Brückenbaus zwischen beiden Staaten dienen auch die Partnerschaften zwischen der deutschen Minderheit in Kasachstan und dem Verband der deutschen Jugend Kasachstans auf der einen und dem Jugend- und Studentenring der Deutschen aus Russland und der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland auf der anderen Seite, so Bundesbeauftragter Koschyk. Auch im Bereich der Förderung der Hochschul- und Berufsausbildung gebe es interessante Partnerschaften, so Koschyk. So sollen demnächst junge Menschen aus der deutschen Minderheit gesucht werden, die eine Ausbildung im Bereich der Alten- und Krankenpflege absolvieren möchten. Ein Teil dieser Ausbildung soll an den Euro-Schulen in Bitterfeld-Wolfen absolviert werden.

Hp IMG_5233Bundesbeauftragter Hartmut Koschyk MdB mit MdB Dr. Phillip Lengsfeld , Heinrich Zertig MdB, Karin Strenz MdB, Botschafter Dr. Guido Herz und MdB Stephan Mayer vor dem Kasachischen Außenministerium in Astana

In ihrem Abschlusskommuniqué der 13. Sitzung der Deutsch-Kasachischen Regierungskommission betonte die Kommission, dass das Potential der Menschen kasachstandeutscher Abstammung in Deutschland und der in Kasachstan verbliebenen Deutschen künftig stärker für den weiteren Ausbau der bereits guten Beziehungen zwischen Deutschland und Kasachstan genutzt werden soll, insbesondere für die kulturellen Beziehungen, den zivilgesellschaftlichen Dialog und die wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Die Regierungskommission begrüßte in ihrem Abschlusskommuniqué ausdrücklich auch die Bereitschaft der Bürger der Republik Kasachstan deutscher Volkszugehörigkeit, ihren Lebensmittelpunkt auch künftig in Kasachstan zu wahren. In diesem Zusammenhang hoben beide Seiten die Bedeutung der Weiterentwicklung ihrer ethnokulturellen Identität auch für die Zukunft hervor.

Bundebeauftragten Koschyk hob die Bedeutung der „Ethnokulturellen Arbeit“ hervor, um die deutsche Minderheit in der kasachischen Gesellschaft sichtbar zu machen. So ist im Arbeitsfeld „Ethnokulturelle Arbeit“ in diesem Jahr auch ein höherer Mittelansatz vorgesehen, um das Kulturfestival zu finanzieren, das in Almaty stattgefunden hat. Im Rahmen der deutschen Kulturwoche gab es zudem verschiedene Veranstaltungen, u.a. den Gesangswettbewerb „Neue Namen“ oder eine Ausstellung mit Werken deutschstämmiger Künstler aus den Museen Pawlodar, Taraz und Karaganda und zum Abschluss ein Weinfest.

Des Weiteren unterstrich die Regierungskommission in ihrem Abschlusskommuniqué die besondere Bedeutung des deutschen Sprachunterrichts für die weitere Entwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen und den kulturellen und wissenschaftlichen Austausch zwischen beiden Staaten.

Koschyk verwies darauf, dass derzeit in 15 Regionen Kasachstans Sprachkurse und -zirkel für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gefördert werden. Sie zielen neben dem Erlernen der deutschen Sprache auch auf die Förderung und Bewusstmachung der deutschen Identität. Zu weiteren Förderungsmaßnahmen gehören Stipendien für Deutschkurse in Deutschland und der Einsatz von Sprachassistenten in den Projekten der regionalen Wiedergeburtsgesellschaften.

Hp DSCF3707Bundesbeauftragter Hartmut Koschyk mit der der deutsche Minderheit angehörenden Abgeordneten des Kasachischen Parlaments, Olga Kikolenko, dem Vorsitzenden des Dachverbandes der Deutschen Minderheit in Kasachstan, Alexander Dederer und dem Vize-Minister für Wirtschaft und Investitionen Kasachstans, Albert Rau, der ebenfalls der Deutschen Minderheit Kasachstans angehört

Neben der Pflege der deutschen Sprache ist auch der Bereich „Bildung und Ausbildung“ von zentraler Bedeutung. Die Kommission begrüßte in ihrem Abschlusskommuniqué ausdrücklich die Maßnahmen, die jungen ethnischen Deutschen eine qualitativ hochwertige Ausbildung ermöglichen und sowohl der deutschen Minderheit als auch der Republik Kasachstan zugutekommen.

Der Bereich „Bildung und Ausbildung“ wurde gegenüber 2014 deutlich um gut 100.000 € erhöht. In dieses Arbeitsfeld fallen die „Zentren für Vorschulkinder“, die auf die frühe Förderung deutschstämmiger Kinder ausgerichtet sind, aber auch die „Schulen für fakultative Bildung“, die es seit 2009 jungen Leuten ermöglichen, sich durch zusätzlichen Unterricht auf die universitären Aufnahmeprüfungen und ein Universitätsstudium vorzubereiten. Weiter werden junge Studenten, die sich in den regionalen Wiedergeburtsgesellschaften engagieren, gezielt mit Stipendien unterstützt. Koschyk betonte, dass diese Projekte ausgesprochen wichtig sind, um einerseits jungen Menschen in Kasachstan eine gute Lebensperspektive zu geben, andererseits aber auch die Organisation der deutschen Minderheit zu stärken und aktive Mitglieder zu gewinnen und zu binden. „Ohne eine Jugend, die sich für ihre kulturellen Wurzeln interessiert, in das Leben der Selbstorganisation eingebunden ist und es später aktiv gestalten kann, ist die Zukunft der deutschen Minderheit in Kasachstan als eigene Volksgruppe in Gefahr“, so Bundesbeauftragter Koschyk.

Ein weiteres wichtiges Förderfeld sind die Unterstützungsleistungen im sozialen Bereich. „Gerade denjenigen gegenüber, die in der entbehrungsreichen Zeit der staatlichen Repressionen ihre Gesundheit opfern mussten, ohne sich anschließend eine gesicherte Existenz aufbauen zu können, muss unsere besondere Solidarität gelten“, so Koschyk. Für diese vielfältigen Aktivitäten stehen in diesem Jahr erneut über 450.000 Euro zur Verfügung. Zu der genannten Fördersumme kommen noch die in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz organisierten medizinischen Hilfen im Gegenwert von knapp 180.000 Euro. Diese Leistungen werden über die vier großen Sozialstationen in Astana, Karaganda, Kokschetau und Kostanai, acht Apotheken und die über 50 Begegnungsstätten und ihren Filialen angeboten. Von den Leistungen profitieren nicht nur die ethnischen Deutschen, sondern auch andere Bürger aus der Nachbarschaft.

In ihrem Abschlusskommuniqué hob die Kommission der weiteren Entwicklung der Partnerschaften der zivilgesellschaftlichen Einrichtungen in Kasachstan und in Deutschland eine hohe Bedeutung für die Entstehung und Ausweitung partnerschaftlicher Beziehungen zwischen den Regionen Kasachstans und Deutschlands zu, die von beiden Seiten besonders unterstützt werden sollen.

HP IMG_5230Bundesbeauftragter Hartmut Koschyk MdB mit Kasachstans Außenminister Alexej Volkov im Kasachischen Außenministerium

Neben der guten Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Minderheitenschutzes spiegele sich die positive Entwicklung in den Beziehungen zwischen Deutschland und Kasachstan auch in den Wirtschaftsbeziehungen wieder. Kasachstan sei der wichtigste Partner der deutschen Wirtschaft in Zentralasien: Der Handel mit Kasachstan steht für 85 % des deutschen Handelsvolumens mit dieser Region und für 66 % der deutschen Exporte nach Zentralasien. Dass die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Kasachstan immer wichtiger werden, zeige die Vielzahl der Veranstaltungen zu diesem Thema, wie beispielsweise der „Tag der Wirtschaft Kasachstans“, der auf Einladung des Vizeministers der Republik Kasachstan für Investitionen und Entwicklung, Herrn Albert Rau und der Deutschen Bank am 20. März in Frankfurt/Main stattgefunden hat oder die 9. deutsch-kasachische Regierungsarbeitsgruppe Wirtschaft und Handel am 9. Juni 2015 in Karaganda, bei der u.a. die Rahmenbedingungen für Investitionen, das Investitionsklima sowie bilaterale Kooperationen im Innovations-, Energie-, Agrar-, Gesundheits- und Umweltbereich besprochen wurden, so Bundesbeauftragter Koschyk. Auch wird Deutschland 2017 an der Weltausstellung in Kasachstan teilnehmen. Das Thema der EXPO 2017 „Energien der Zukunft: Maßnahmen für weltweite Nachhaltigkeit“ werde neue Impulse für die etablierten Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern setzen.

In dem unterzeichneten Kommuniqué der Kommission sprach man sich dafür aus, im Rahmen der EXPO 2017 in Astana auf die Geschichte der Deutschen in Kasachstan aufmerksam zu machen und ihre Rolle und Bedeutung in der kasachischen Gesellschaft und Wirtschaft sowie beim Aufbau von Beziehungen nach Deutschland hervorzuheben.

Zum Abschlusskommuniqué in deutscher Sprache gelangen Sie hier.

Zum Abschlusskommuniqué in russischer Sprache gelangen Sie hier.

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