International
Deutsche Minderheit genießt in Litauen hohes Ansehen
15. September 2017
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Mit der Deutschen Botschafterin in Litauen Angelika Viets vor dem Rathaus in der Hauptstadt Vilnius

Auch wenn die deutsche Minderheit in Litauen nach amtlichen, statistischen Angaben nur rund 2.500 Personen zählt, so genießt sie in der Republik Litauen doch hohes Ansehen. Davon konnte sich der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk MdB, bei seinem Besuch in Vilnius und Klaipėda/ Memel überzeugen.

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Bei seinem Besuch im Litauischen Parlament (Seimas) erinnerte sich Bundesbeauftragter Koschyk an seinen Besuch dort 1991, wo man nach den blutigen Januarangriffen sowjetischer Sondereinheiten das Parlamentsgebäude mit Barrikaden gegen weitere Angriffe schützen musste

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In Litauens Hauptstadt Vilnius traf Bundesbeauftragter Koschyk mit Regierungsvertretern, Mitgliedern des litauischen Parlaments (Seimas), deutschen Mittlerorganisationen und Vertretern der dortigen deutschen Minderheit zusammen.

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Im Department für Minderheiten der litauischen Regierung erläuterten die Leiterin der Abteilung für nationale Minderheiten, Rasa Paliukienė, und die Leiterin der Abteilung für Informationen und Bewertung der Minderheitenpolitik, Vaiva Vėželytė-Pokladova, Bundesbeauftragtem Koschyk die Grundzüge der litauischen Minderheitenpolitik. Beide wiesen darauf hin, dass Litauen das Rahmenübereinkommen des Europarates zum Schutz nationaler Minderheiten unterzeichnet und ratifiziert habe jedoch aber die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen nicht. Auch gebe es in Litauen kein Minderheiten-Gesetz. Gleichwohl seien aber die Minderheitenrechte durch den Schutz der Sprache und Kultur sowie durch Vereinstätigkeiten gewährleistet. Auch hätten die Minderheiten das Recht, eigene Schulen zu unterhalten. Von dieser Möglichkeit hat auch die deutsche Minderheit mit dem Hermann-Sudermann-Gymnasium in Klaipėda/ Memel Gebrauch gemacht.

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Darüber hinaus ist die deutsche Minderheit auch im nationalen Minderheitenrat Litauens und in dem direkt neben dem Department für Minderheiten gelegenen „Haus der Volksminderheiten“ vertreten.

Auf Bitte der litauischen Seite berichtete Bundesbeauftragter Koschyk über die deutsche Minderheitenpolitik für die nationalen Minderheiten der in Deutschland anerkannten, autochthonen Minderheiten: der Dänen, der friesischen Volksgruppe, der deutschen Sinti und Roma, des sorbischen Volkes und der Sprechergruppe der Niederdeutschen.

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In dem direkt neben dem Department für Minderheiten gelegenen „Haus der Minderheiten“ führte Bundesbeauftragter Koschyk ein Gespräch mit der Direktorin des Hauses der Volksminderheiten, Alvida Gedaminskienė, sowie dem Vorsitzenden der Deutschen Gemeinschaft in Vilnius, Martin Erwin Peteraitis.

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Die deutsche Gemeinschaft verfügt unter anderem auch über einen eigenen Chor, der in der Gesellschaft sehr anerkannt ist und in und um Vilnius regelmäßig auftritt. Neben dem Büro der Deutschen Gemeinschaft gibt es im Haus der Minderheiten auch öffentliche Veranstaltungsräume, die auch von der Deutschen Minderheit regelmäßig genutzt werden.

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Freundschaftliche Atmosphäre bei der Begegnung mit den Kolleginnen und Kollegen im Litauischen Seimas (Parlament)

In sehr freundschaftlicher Atmosphäre wurde Bundesbeauftragter Koschyk im litauischen Parlament (Seimas) von Prof. Kęstutis Masiulis, Vorsitzender der Parlamentarischen Gruppe für die Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland, und weiteren Mitgliedern der Parlamentarier-Gruppe und Abgeordneten des Ausschusses für Menschen- und Minderheitenrechte sowie des Rechtsausschusses begrüßt.

Auch Prof. Kęstutis Masiulis und seine Parlamentskollegen versicherten Bundesbeauftragtem Koschyk, dass die deutsche Minderheit trotz geringer Personenzahl hohe Wertschätzung genieße. Dies gelte auch für die deutsche Geschichte, Kultur und Sprache, vor allem in den Regionen, in denen früher Deutsche gelebt haben.

Die litauischen Parlamentarier dankten Koschyk auch für die deutsche Bundeswehrpräsenz am Nato-Stützpunkt in Rukla/Litauen. Gerade dieses Engagement der Bundeswehr werde von der litauischen Bevölkerung sehr geschätzt.

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Vor der Deutschen Botschaft in Vilnius darf natürlich der litauische Buddy-Bär nicht fehlen

Auch über die sog. „Wolfskinder“ diskutierte Bundesbeauftragter Koschyk mit den litauischen Abgeordneten. Diese zeigten sich mit Koschyks Informationen, dass sog. „Wolfskinder“ grundsätzlich auch die Anerkennungsleistung für ehemalige deutsche Zwangsarbeiter erhalten können, dass es aber auf die jeweilige Einzelprüfung ankomme, sehr zufrieden.

Gemeinsam mit der deutschen Botschafterin in Litauen, Angelika Viets und der Referentin für Kultur und Presse an der deutschen Botschaft in Vilnius, Milena Dech, führte Bundesbeauftragter Koschyk in Vilnius auch Gespräche mit Vertretern des Goethe Instituts und der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen. Diese informierten Bundesbeauftragten Koschyk über die Sprach- und Kulturarbeit beider Institutionen in Litauen und stellten ihre Projekte vor, von denen auch die deutsche Minderheit in erheblichem Umfang profitiert.

Darüber hinaus sind auch die Konrad-Adenauer-Stiftung und die Friedrich-Ebert-Stiftung mit Ortskräften in Litauen vertreten. Diese präsentierten Bundesbeauftragtem Koschyk ihre Projekte im Bereich der Minderheitenpolitik.

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Gemeinsam mit der Kulturreferentin der Deutschen Botschaft Vilnius/Litauen Milena Dech hat Bundesbeauftragter Koschyk das Hermann-Sudermann-Gymnasium in Klaipeda/Memel besucht und dort Gespräche mit Schulleiterin Jolita Andrijanskienė, der stv. Schulleiterin Neringsa Pallat-Kelpšaitė Dapšiene und der Klassenleiterin Marita Einars geführt, die auch Vorstandsmitglied des Vereins der Deutschen in Klaipeda ist

Um sich ein Bild von der Rolle der deutschen Minderheit in Klaipėda/ Memel zu machen fuhr Bundesbeauftragter Koschyk in die Hafenstadt. Dort existiert mit dem Hermann-Sudermann-Gymnasium die einzige Minderheitenschule Litauens, die aufgrund der Initiative der deutschen Minderheit entstanden ist.

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Mit Schulleiterin Jolita Andrijanskienė, der stv. Schulleiterin Neringsa Pallat-Kelpšaitė Dapšiene und der Klassenleiterin Martha Einars hat Bundesbeauftragter Koschyk die aktuelle Situation und Zukunft des deutschsprachigen Unterrichts erörtert. Bislang wird Deutsch als Muttersprache angeboten. Deutschsprachiger Unterricht soll aber in Zukunft auch in weiteren Kernfächern angeboten werden. Das Hermann-Sudermann-Gymnasium, das auch eine Grund- und Mittelschule umfasst, besuchen derzeit über 600 Schüler.

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Durch die Landsmannschaft Ostpreußen und Landsmannschaft Westpreußen in Bayern konnten erst kürzlich Schüler aller Altersgruppen mit Unterstützung der Bayerischen Staatsregierung Bayern besuchen, wofür Schulleiterin Jolita Andrijanskienė gegenüber Bundesbeauftragten Koschyk große Dankbarkeit bekundete.

Informationen zum Hermann-Sudermann-Gymnasium finden Sie hier.

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Bundesbeauftragter Koschyk zeigte sich beeindruckt vom Simon-Dach-Haus des Vereins der Deutschen in Klaipeda/Memel und der dort geleisteten Arbeit für die deutsche Sprache und Kultur

In Klaipėda/ Memel hat Bundesbeauftragter Koschyk auch das Simon-Dach-Haus besucht, das der deutschen Minderheit von der Stadt zur Verfügung gestellt und mit Mitteln des Bundesministeriums des Innern saniert wurde. In dieser Einrichtung leistet die deutsche Minderheit hervorragende Kultur- und Spracharbeit, die weit in das Städtische Kulturleben ausstrahlt.

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Im Simon-Dach-Haus traf Koschyk mit Vertretern der Deutschen Minderheit aus Klaipėda / Memel und Silute / Heydekrug zusammen. In einem ausführlichen Gespräch konnten sich Bundesbeauftragter Koschyk und die Minderheitenvertreter über den Stand, die Perspektiven und Unterstützung Deutschlands für die deutsche Minderheit in Litauen austauschen. Bundesbeauftragter Koschyk informierte die Minderheitenvertreter darüber, dass derzeit ein länderübergreifendes Förderkonzept für alle deutschen Minderheiten in den drei baltischen Staaten entwickelt werde.

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Dass die deutsche Sprache und Kultur gerade in Klaipėda / Memel hohes Ansehen genießt, machten Honorarkonsul Arunas Baublys und Artūras Šulzas, Vizebürgermeister der Stadt Klaipeda im Gespräch mit Bundesbeauftragtem Koschyk deutlich. So unterstützt die Stadt Klaipėda über das zur Verfügung gestellte Simon-Dach-Haus auch laufende Projekte der deutschen Minderheit.

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Zur Internetseite des Simon-Dach-Hauses gelangen Sie hier.

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Bundesbeauftragter Koschyk tauschte sich mit Prof. Dr. Arūnas Baublys, Evang.-Luth. Theologe an der Universität Klaipeda/Memel sowie Deutscher Honorarkonsul und dem stellv. Bürgermeister Artūras Šulcas über Pläne zum Wiederaufbau der Evang.Luth. Johannes der Täufer-Kirche in Klaipeda/Memel aus. Auch Kulturreferentin Milena Dech von der Deutschen Botschaft nahm an dem Gespräch teil.

Honorarkonsul Arunas Baublys und Vizebürgermeister Artūras Šulzas informierten Bundesbeauftragten Koschyk auch über die Bestrebungen, die Evangelisch-Lutherische Johanniskirche wieder aufzubauen. In dem ehemaligen Gemeindehaus neben der Kirche feiert die Evangelisch-Lutherische Gemeinde heute ihre Gottesdienste.

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Auch das ehemalige Konsistorium und das Diakonie-Gebäude befinden sich in einem guten baulichen Zustand. Ein Wiederaufbau der Kirche würde an dieser Stelle das historische Stadtbild abrunden. Die Diskussion über den Wiederaufbau wurde durch den Besuch des damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck wiederbelebt. Das Auswärtige Amt hat bereits seine Unterstützung für die notwendigen archäologischen Voruntersuchungen zugesagt.

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Honorarkonsul Arunas Baublys und Vizebürgermeister Artūras Šulzas würdigten das Engagement der Memelländer in der Landsmannschaft Ostpreußen, die der Stadt Klaipėda / Memel ihr Heimatarchiv zur Verfügung gestellt haben. Mit Hilfe der Memelländer habe die Stadt auch Pläne der Johanniskirche erhalten, die in Klaipėda / Memel nicht mehr vorhanden gewesen sind. Diese Pläne seien Voraussetzung für den Wiederaufbau der Kirche und deshalb besonders wertvoll.

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Insgesamt zeigte sich Koschyk von seinem Besuch in Litauen sehr beeindruckt, da deutlich wurde, dass auch eine zahlenmäßig kleine Minderheit viel bewirken und die eigene Sprache und Kultur erhalten kann. Die deutsche Minderheit in Litauen erfüllt mustergültig ihre Brückenfunktion nach Deutschland und in die litauische Mehrheitsbevölkerung hinein. Allerdings müssten im Bereich der Nachwuchsgewinnung noch stärkere Anstrengungen geleistet werden, die von deutscher Seite gerne unterstützt werden.

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Bundesbeauftragter Koschyk ließ es sich nicht nehmen, in Klaipėda / Memel auch das „Ännchen von Tharau“ auf dem Simon-Dach-Brunnen vor dem wunderbar restaurierten Stadttheater zu besuchen.

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Für interessierte Besucher bietet die deutsche Minderheit in Klaipėda/ Memel im Simon-Dach-Haus Unterkünfte und touristische Dienstleistungen an.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Bundesbeauftragter Koschyk besuchte Litauen bereits Anfang der 90er Jahre im Zuge der Beitrittsverhandlungen Litauens zum Europarat. Bundesbeauftragter Koschyk war damals als Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates und dessen Ausschusses für Menschen und Minderheitenrechte nach Litauen gereist und hatte auch Gespräche zur Minderheitenpolitik des Landes geführt.

Auch hat Bundesbeauftragter Koschyk seine Reservistendienstleistung im Rahmen der deutschen Militärattachéreserve Anfang dieses Jahres sowohl in Lettland als auch in Litauen geleistet und die Besuche von Bundesaußenminister Gabriel und Bundesverteidigungsministerin von der Leyen in Litauen begleitet.

Impressionen: Abendstimmung über der Kurischen Nehrung und im Hafen von Klaipeda/Memel

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There is 1 comment

  • Skwirblies sagt:

    Sehr geehrter Herr Koschyk,

    vielen Dank für den ausführlichen und sehr interessanten Bericht !
    Ich selbst bin diese Tage in Memel und habe morgen einen Termin bei der Stadtverwaltung.
    Frage: in Ihrem Bericht betreffend St. Johanniskirche in Memel schreiben Sie, dass das Auswärtige Amt bereits seine Unterstützung für die notwendigen archäologischen Voruntersuchungen zugesagt habe.

    Herr Dr. Baublys (unser Honorarkonsul in Memel) konnte mir hier nichts genaueres sagen. Wer ist / wäre bei dieser Angelegenheit die Kontaktperson im auswärtigen Amt ?

    Mit freundlichen Grüßen,

    Linus Skwirblies

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