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Gastbeitrag von Hartmut Koschyk in der „WirtschaftsWoche“ zum Gipfel von Singapur
12. Juni 2018
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Bild: AP

Treffen zwischen Kim und Trump – Nach Trumps Gipfel-Rausch kommt ein schmerzhafter Kater: Gastbeitrag des Ko-Vorsitzenden des Deutsch-Koreanischen Forums ,Hartmut Koschyk, in der „WirtschaftsWoche“ zum Gipfel von Singapur.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump haben das historische Gipfeltreffen umgesetzt. So berauscht Trump nun ist, die Einsicht in seine begrenzte Macht wird schon bald schmerzvoll sein.

Was lange unmöglich schien, wurde Wirklichkeit: die erste persönliche Begegnung eines amtierenden US-Präsidenten mit dem aktuellen Machthaber der Kim-Dynastie Nordkoreas. Dass dieser Gipfel überhaupt zustande kommt macht deutlich, das beide Koreas, Nord und Süd, die Dinge inzwischen selbst in die Hand genommen haben. Nach der ersten Gipfel-Absage von US-Präsident Donald Trump, trafen Nordkoreas Kim Jong Un und Südkoreas Moon Jae-in sich zur Überraschung gleich am nächsten Tag, um das Treffen zu retten.

Dieses Zusammenspiel der beiden Koreas, aber auch die beiden Treffen von Nordkoreas Herrscher Kim mit dem Chinesischen Staats- und Partei-Chef Xi Jinping vor dem Treffen mit Trump, der Besuch des russischen Außenministers Lawrow in Pjöngjang und das angekündigte Treffen zwischen Putin und Kim machen deutlich, dass heute in Singapur zwar Trump und Kim im Gipfelrausch die Schlagzeilen der Weltpresse beherrschen – sich aber nach dem Gipfeltreffen in Singapur auch andere Mitspieler deutlich zu Wort melden werden: China, Russland, aber auch Japan, dass nicht in einer Außenseiter-Position verharren will und wird. Sie alle wollen ab morgen ihre Vorstellungen von der Lösung der Korea-Frage deutlich artikulieren.

Natürlich stellt das Gipfeltreffen zwischen Trump und Kim einen Meilenstein in der langen Phase von Kaltem Krieg mit ständigen Spannungen, Misstrauen, anschwellenden Eskalationen und nur mühsam unterdrückter Aggressionsbereitschaft auf der koreanischen Halbinsel und in Nordostasien dar. Da konnten sich bei Koreas in der Vergangenheit noch so sehr abmühen, einander näher zu kommen: immer war klar, dass der Weg von Seoul nach Pjöngjang nicht an Washington vorbei führen kann. Auf der anderen Seite liegt der Schlüssel zur Öffnung der geschlossenen Grenztore nicht allein in Washington, auch nicht nur in Peking oder gar Moskau.

Trumps Allmachtsphantasien scheitern

Nur durch einen multilateralen Dialog- und Verhandlungsprozess, am besten im bewährten Format der Sechs-Parteien-Gespräche zwischen beiden Koreas, den USA, China, Russland und Japan wird es langfristig eine nachhaltige Lösung des Korea-Konfliktes geben. Diese Einsicht wird für Donald Trump am schmerzvollsten sein, glaubte er doch lange an den „big deal“ mit Kim, an seine Allmacht, ein Problem auf einen Schlag zu lösen, an dem alle seine Vorgänger und die internationale Gemeinschaft bislang gescheitert sind. Doch der US-Präsident scheint dazugelernt zu haben, Inzwischen spricht er vom „Start eines Prozesses“, vom „Kennenlernen“ und der Schaffung einer „Vertrauensbasis“.

Es spricht für die Staatskunst des südkoreanischen Präsidenten Moon, dass er seine vor gut einem Jahr bewusst in Berlin angekündigte Entspannungspolitik gegenüber dem Norden – die Einladung zu den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang etwa – international abgesichert hat durch Vertrauensaufbau in China, geschicktes Agieren gegenüber Trump und die Bemühungen um Entspannung des historisch schwer belasteten Verhältnisses zu Japan. Doch Moon hat auch aus der teilweise illusionistischen Annäherungspolitik seiner Vorgänger gelernt. Er weiß, dass es keine substantielle innerkoreanische Annäherung ohne die Lösung der Nukelarfrage geben kann. Und er weiß auch um die Befindlichkeit der USA und die Eitelkeit ihres Präsidenten. Er respektiert die Rolle Chinas und bemüht sich um eine Annäherung gegenüber Japan.

Europa muss sich einmischen

Bei seinem Amtsantritt hat Südkoreas Präsident Moon erstmals nicht nur nach Washington, Peking, Moskau und Tokio Sondergesandte zur Erläuterung seiner Außen- und Koreapolitik geschickt, sondern auch nach Berlin und Brüssel. Vor seinem Debüt auf dem internationalen Parkett beim G-20-Gipfel in Hamburg 2017, skizzierte er seine Strategie: Südkorea, aber auch andere wünschen sich eine engagiertere Rolle der EU und Deutschlands bei Entspannungsprozess auf der koreanischen Halbinsel. Und es sind ja die Erfahrungen der innerdeutschen Beziehungen, die Europa einbringen können. Freilich nicht als Vermittler, aber als Ratgeber und Ermutiger.

Nach dem Debakel des G-7-Gipfels von La Malbaie wäre es nun an der Zeit, das die Europäer deutlich machten, dass sie nicht in Schockstarre vor dem Zick-Zack-Kurs des US-Präsidenten verharren und sich eben nicht nur als Wirtschaftsmacht, sondern auch als politischen Gestaltungsmacht verstehen, um auch außerhalb Europas zu Entspannung, Annäherung, Vertrauensbildung und wirtschaftlicher Entwicklung beizutragen. Dies um so mehr, wo doch Südkorea und die EU ein bestens funktionierendes Freihandelsabkommen verbindet, dass von einer möglichen wirtschaftlichen Annäherung zwischen Süd- und Nordkorea nicht unberührt bleiben wird.

Der Gipfelrausch von Singapur ist vorbei. Jetzt beginnen für alle die anstrengenden Mühen der Ebene. Nicht nur für Donald Trump, auch für Angela Merkel und Emmanuel Macron.

Den Artikel in der online-Ausgabe der WirtschaftsWoche finden Sie hier.

Weiterführende Informationen zum Deutsch-Koreanischen Forum finden Sie hier.

 

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