International
Kosmos-Vorlesung 2016 mit Francine Ntoumi im Iwalewa-Haus
28. Oktober 2016
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214 Millionen Menschen waren laut Weltgesundheitsorganisation WHO 2015 weltweit mit Malaria infiziert, rund 438000 Menschen sind 2015 an der verheerenden Tropenkrankheit verstorben. „Es ist so, als ob jeden Tag ein vollbesetzter Airbus A380 abstürzt“, zog Prof. Dr. Francine Ntoumi einen drastischen Vergleich. Die Molekularbiologin ist nicht nur die weltweit führende Malaria-Forscherin, sondern auch eine der bedeutendsten afrikanischen Wissenschaftlerinnen überhaupt. Ntoumi ist Forschungspreisträgerin der Alexander von Humboldt-Stiftung und in dieser Eigenschaft war sie prominenter Gast der „Kosmos-Vorlesung“, die das Goldkronacher Humboldt-Kulturforums in Zusammenarbeit mit der Universität Bayreuth und der Alexander-von-Humboldt-Stiftung bereits zum 5. Mal im Bayreuther Iwalewa-Haus veranstaltet hat.

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Wenn von Malaria die Rede ist, dann steht auch der afrikanische Kontinent im Focus, denn Afrika trägt die Hauptlast des Problems. „Am schlimmsten ist die Situation im südlichen Afrika“, sagt die Professorin, die an der Marien-Ngouabi-Universität in Brazzaville, der einzigen Universität der Republik Kongo lehrt. Als Gründe dafür nannte sie unter anderem die schwachen Gesundheitssysteme der afrikanischen Länder, Resistenzen der Mücken gegen Insektizide und Resistenzen der Parasiten gegen Medikamente. Aber auch das Fehlen eines zuverlässigen Impfstoffes und die geringen Mittel zur Finanzierung der Malariaforschung spielten eine wichtige Rolle.

Als Hauptproblem bezeichnete es Francine Ntoumi, dass Pharmazieunternehmen nicht bereit sind, in die Forschung zu investieren. Die Forschung sei extrem teuer und die Unternehmen hätten keine Rendite in Aussicht. Arme Menschen könnten den Impfstoff ohnehin nicht bezahlen, also lohne es sich nicht, Gelder in die Forschung zu investieren.

Deshalb habe sich auch die Bill-Gates-Stiftung eingesetzt und Gelder für die Forschung bereitgestellt. Dank einer Partnerschaft mit dem Institut für Tropenmedizin der Universität Tübingen sei auch eine hilfreiche Kooperation entstanden. Auf diesem Weg gebe es in ihrem Heimatland mittlerweile ein einziges Molekularlabor. Dort würden zwar neue Medikamente gestest, einen echten Impfstoff habe man aber aufgrund der vielen Resistenzen gegen die verschiedenen Malariastämme noch nicht gefunden.

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In der Republik Kongo, einer ehemaligen französischen Kolonie mit rund 4,4 Millionen Einwohnern steht Malaria an erster Stelle als Grund für eine klinische Behandlung. Dennoch gebe es aber auch Erfolge vielfältiger Bemühungen wie der kostenlosen Bereitstellung bestimmter Medikamentenkombinationen speziell für Schwangere oder der Förderung von Insektiziden und Moskitonetzen: so sei seit dem Jahr 2000 die Sterblichkeitsrate um 66 Prozent gesunken, bei den unter fünfjährigen Kindern, die als Hauptbetroffene gelten, sogar um 71 Prozent.

Francine Ntoumi war Alexander-von-Humboldt-Stipendiatin, hat zwei Jahre in Tübingen studiert und in Frankreich promoviert. Unter anderem wurde sie erst vor kurzem als beste Wissenschaftlerin Afrikas ausgezeichnet. Die Wissenschaftlerin gehöre damit zu dem weltumspannenden Humboldt-Netzwerk, zu dem auch 54 Nobelpreisträger gehören, sagte Steffen Mehlich von der Alexander-von-Humboldt-Stiftung.

Alexander von Humboldt selbst hatte nach den Worten des Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk, Gründungsmitglied des Kulturforums, bereits ab 1826 in der Berliner Singakademie insgesamt 61 so genannte „Kosmos-Vorlesungen“ gegeben. Sie galten damals als kultureller Höhepunkt in Berlin. „Mit den Kosmos-Vorlesungen des Kulturforums wollen wir an diese Tradition anknüpfen“, sagte Koschyk. Aus Humboldts Vorlesungen heraus sei damals das fünfbändige Werk „Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung“ entstanden. Alexander von Humboldt hatte darin erstmals den Versuch unternommen, dem Leser eine Gesamtschau seiner wissenschaftlichen Welterforschung zu vermitteln. Ganz wichtig sei es dabei auch, dass Alexander von Humboldt mit seinen Kosmos-Vorlesungen auch ein Stück Sozialgeschichte geschrieben hat, denn erstmals überhaupt durften auch Frauen daran teilnehmen.

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