International
Musterregion für das Zusammenleben von Minderheiten / Delegation aus Transkarpatien besuchte Oberfranken
4. August 2016
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Die Region Transkarpatien im Südwesten der Ukraine soll eine Musterregion für das Zusammenleben von Minderheiten werden. Das hat der Vorsitzende des Gebietsrates Mychaylo Riwis bei einem Besuch in Oberfranken angekündigt. Zusammen mit einer Delegation des Gebietsrates hat der Vorsitzende am Mittwoch den Bundesbeauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, den Bayreuther Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk getroffen. Dabei kündigte Riwis auch an, eine intensivere Zusammenarbeit mit Oberfranken anzustreben. Die Region Transkarpatien und den Bezirk Oberfranken verbindet seit rund 15 Jahren eine Partnerschaft.

Viele Minderheiten lebten in Transkarpatien seit Jahren in Frieden und Einheit zusammen, sagte der Vorsitzende. Allein ein örtlicher TV-Sender strahle sein Programm in acht Minderheitssprachen aus. Transkarpatien sei europäisch geprägt, die Menschen lebten in relativem Wohlstand im Gegensatz zu anderen Teilen des Landes.

Transkarpatien sei ein wichtiges Feld im Hinblick auf die Minderheitenpolitik, so der Bundesbeauftragte Koschyk. Die Zielvorstellung, Transkarpatien als Musterregion für das Zusammenleben von Minderheiten auszugestalten, finde die volle Unterstützung der Bundesregierung. Das gute Zusammenleben der unterschiedlichsten Ethnien und Religionen trage auch dazu bei, dass Transkarpatien eine gute wirtschaftliche Entwicklung genommen habe. „Wir müssen auch in Deutschland stärker bewusst machen, dass es im Westen der Ukraine sehrt stabile Regionen gibt, ungeachtet von der Situation im Osten des Landes“, sagte Koschyk. Transkarpatien könne ein hervorragendes Beispiel für multiethnisches und interreligiöses Zusammenleben sein.

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Im Frühjahr 2000 wurden erste Kontakte zwischen dem Bezirk Oberfranken und dem Oblast Transkarpatien aufgenommen. Der Hintergrund für die Kontaktaufnahme reicht weit in das frühe 18. Jahrhundert zurück. Auf Geheiß des Fürstbischofs Friedrich Karl von Schönborn brach 1731 der erste Zug von rund 50 oberfränkischen Bauern- und Handwerkerfamilien aus dem Hochstift Bamberg in das heutige Transkarpatien auf, um dort das von Krieg verwüstete Land des Fürstbischofs aufzubauen. Heute leben die Nachkommen dieser sogenannten Schönborn-Franken in Transkarpatien und pflegen die Sprache und die Traditionen ihrer Vorfahren. Die Verbindung zu den Nachkommen dieser fränkischen Siedler aus dem 18. Jahrhundert sollen belebt und gefestigt werden.

Diese aus der Vergangenheit stammenden verbindenden Elemente zwischen den beiden Regionen gaben den Ausschlag, eine Partnerschaft zwischen dem Bezirkstag von Oberfranken und dem Gebietsrat von Transkarpatien einzugehen. Im September 2001 wurde die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet. Die Partnerschaft konzentriert sich auf die Förderung der Kontakte beider Partner mit dem Ziel, die Zusammenarbeit aller staatlichen Institutionen, aber auch privater Zusammenschlüsse beider Länder zu fördern, den Informationsaustausch zu erleichtern und als Ansprechpartner und Mittler zwischen beiden Regionen zu fungieren.

Transkarpatien ist eine historische Region im äußersten Südwesten der Ukraine, die an Rumänien, Ungarn, die Slowakei und Polen grenzt. Sie umfasst hauptsächlich das Gebiet um den ukrainischen Teil der Karpaten. Die größten Städte sind Uschhorod und Mukatschewe.

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Der Bezirk Oberfranken unterhält seit dem Jahr 2001 eine Partnerschaft mit der ukrainischen Teilregion Transkarpatien. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde in Goldkronach unterzeichneten nun Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler und der Gebietsrat der westukrainischen Region, Mychaylo Riwis, eine darauf aufbauende Kooperationsvereinbarung. „Wir wollen unsere Partnerschaft im 15. Jahr ihres Bestehens weiterentwicklen und auf eine neue Stufe stellen. Ich freue mich sehr, dass wir mit Herrn Gebietsrat Riwis hierfür einen verlässlichen Partner gefunden haben“, bezeichnete Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler die neue Vereinbarung im Beisein des Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk als Glücksfall für die Partnerschaft. Vorgesehen sind die Förderung von Besuchen und Austauschprogramme auf den Gebieten Gesundheitswesen, Verwaltung, öffentliche Ordnung sowie Kunst und Kultur. Zudem sollen Lehrmaterialen für die deutsche Minderheit in der Region angeschafft und Projekte in Transkarpatien angestoßen werden. Auf Bitten des Gebietsrates versprach Denzler auch Kontakte in die oberfränkische Wirtschaft- und Tourismuslandschaft sowie zwischen den Universitäten beider Regionen herzustellen. Der transkarpatische Gebietsrat Riwis, der an der Spitze einer sechsköpfigen Delegation stand, dankte herzlich für die Einladung seiner  „oberfränkischen Freunde“: „In Transkarpatien leben über 100 Nationen in Frieden und Wohlstand zusammen. Unsere Region kann ein Modell für die ganze Ukraine sein.“ Dafür bedürfe es allerdings einiger Unterstützung von der Europäischen Union, der Bundesrepublik Deutschland und des Bezirks Oberfranken. Denzler versprach, den eingeschlagenen Weg im Rahmen der Möglichkeiten des Bezirks zu unterstützen.

Weitere Informationen zur Delegationsreise erhalten Sie nach der Veröffentlichung auf den Seiten des Bezirk Oberfranken: HIER.

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