International
Nordkorea / Koschyk zur aktuellen Bedrohungslage und weitreichenden amerikanischen Wirtschaftssanktionen
22. März 2017
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Das nordkoreanische Nuklearprogramm hat nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA, berichtet an die Vereinten Nationen) bedeutende Fortschritte gemacht. IAEA-Chef Yukiya Amano sagte dem „Wall Street Journal“, Nordkorea habe die Größe seiner Anlagen zur Urananreicherung in den vergangenen Jahren verdoppelt. Auch die Kapazitäten bei der Plutonium-Produktion seien rasch ausgebaut worden. Die US-Regierung erwägt weitreichende Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea.

In einem Artikel, der zu dieser Thematik bei Bild.de erschienen ist, befragte der Journalist Oliver Rühle auch den Vorsitzenden der Deutsch-Koreanischen Parlamentariergruppe und Korea-Experten, Hartmut Koschyk MdB.

Nordkorea hat nach Ansicht der UN sein Nuklearprogramm zuletzt deutlich ausgebaut – welches Ziel verfolgt Kim?

Offenbar versucht Kim Jong-un mangels wirtschaftlicher Fortschritte die Legitimität des Regimes durch militärische Anstrengungen zu sichern.

Die US-Regierung erwägt weitreichende Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea – steht damit die Diktatur mit dem Rücken zur Wand?

Die vom Weltsicherheitsrat bisher verhängten drastisch verschärften Sanktionen, die mit Exportbeschränkungen für Nordkorea einhergehen, hatten zum Ziel, einerseits dem Land die Finanzierung seiner Atom- und Raketenprogramme weiter zu erschweren. Zum anderen treffen die Sanktionen aber insbesondere empfindlich weite Teile der ersten und auch zweiten Führungsreihe des Regimes, was deren Unzufriedenheit gegenüber Kim Jong-un steigern dürfte. Weder Kohle noch Eisen, Eisenerz, Gold, Titanium oder seltene Erden dürfen dem Land noch abgekauft werden. Treibstoff für Flugzeuge oder für Raketen darf nicht mehr geliefert werden. Zudem wurden verschiedene Konten eingefroren. Weitreichendere Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea könnten die Unzufriedenheit gegenüber dem Regime von Kim Jong-un steigern, andererseits könnten aber insbesondere verschärfte amerikanische Sanktionen unter Umständen auch dazu führen, den Zusammenhalt des Regimes zu stärken, gerade weil man mit dem Rücken zur Wand steht und den USA die Stirn bieten will.

US-Außenminister Rex Tillerson hatte vergangene Woche bei seinem ersten Asien-Besuch eine härtere Gangart gegenüber Nordkorea angekündigt. Dabei schloss er zwar auch ein militärisches Vorgehen nicht aus. Welche Interessen verfolgen die USA und was hat Trump damit zu tun?

Die genaue Ausrichtung der amerikanischen Außenpolitik unter dem neuen Präsidenten Donald Trump ist nur schwer erkennbar. Ein einseitiges militärisches amerikanisches Vorgehen könnte, ohne einer Zustimmung der VR China, zu schwersten politischen Verwürfnissen und einer geopolitischen Krise in ganz Ostasien führen. Ich hoffe sehr, dass die amerikanische Administration weiterhin auf Dialog setzt und gemeinsam mit der VR China versucht, Kim Jong-un dazu zum Einlenken zu bewegen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und vom einsetzen militärischer Maßnahmen Abstand zu nehmen.

Zum Artikel auf Bild.de gelangen Sie hier.

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