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XVI. Deutsch Koreanisches Forum / Arbeitsgruppe 3: Förderung der Geistes- und Sozialwissenschaften in beiden Ländern
6. Juli 2017
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Geleitet wurde die Arbeitsgruppe von der stv. Vorsitzenden der Deutsch-Koreanischen Parlamentariergruppe Heike Baehrens MdB.

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Prof. Yeom Jaeho beschäftigt sich mit der Frage, wie wir uns als Universität auf die Auswirkungen der vierten industriellen Revolution auf Gesellschaft und Hochschulbildung vorbereiten können. Er gibt zunächst einen Überblick über die technischen Entwicklungen von der ersten Industriellen Revolution bis heute. Das 20. Jahrhundert war ein Produzierendes, weswegen die Hochschulbildung so wichtig für Korea gewesen ist. Die letzten 50 Jahre hat sich die Weltwirtschaft versechsfacht und die Koreanische ist auch deutlich gewachsen. Korea ist international wettbewerbsfähig geworden, auch aufgrund seiner großen Konglomerate und der Ausbildungsinitiative. Der Anteil der Beschäftigten bei Großunternehmen hat sich dann in den letzten 30 Jahren halbiert. Das 20. Jahrhundert war das der Chaebols, dies ändere sich nun aber im angehenden 21. Jahrhundert. Effizientes Wachstum bedeutet eben auch perspektivisch weniger Personal. Nach der sehr spezialisierten Hochschulausbildung beginnt nun die Erkenntnis einer Bildungsreform. Aber in welcher Form? Auf alle Fälle nicht vereinheitlicht. Gegen eine gut trainierte Herde braucht Korea interessierte frei denkende Individuen. Hier der historische Verweis auf Silicon Valley und die Biographie von Steve Jobs. Wissenserwerb ist nicht mehr vordringlich, sondern Vorstellungsvermögen, klares Denken, Kompetenz u.a. Dies auch im Hinblick auf die Zukunft der Geisteswissenschaften. Soziale Innovatoren sollten ausgebildet werden anstelle von Fachkräften im klassischen Sinn, da die gesellschaftlichen Probleme immer komplexer werden. Mittel dazu können sein: Umgedrehter Unterricht und kreative Problemlösung. Ebenso sollen die Universitäten auch in der Forschung verstärkt mit Unternehmen zusammenarbeiten. Darüber hinaus ist es notwendig, dass gesellschaftliche Verantwortung zum Selbstverständnis junger Menschen gehört.

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Was geschieht aktuell an der Korea University? Als Beispiel wird TT-Ville angeführt, einem Gebäude, das aus alten Containern besteht. Die Hochschule arbeitet dabei gemeinsam mit den Studenten an Konzepten und nicht mehr getrennt.

Warum wird Lernen in Korea zumeist als Belastung angesehen? Der Wandel sollte zum Knowledge-Amusement-Verständnis hingehen. Die Vision der KU geht dahin, dass es eine Ausbildungsstätte für Talente wird. Dabei ist es oft schwer, Interdisziplinarität herzustellen, weswegen die KU sog. Convergence-Fächer anbietet. Pflichtfächer sollen dahingehend geändert werden, dass sie filmisch dokumentiert werden und dies dann diskutierend kommentiert wird, um eigenständig zu Fragestellungen und Lösungen zu kommen.

Hierzu fragte Herr Dr. Aufderheide nach der Rolle der Geisteswissenschaften in diesen Transformationsprozessen der Bildungsideale von der Herdenausbildung hin zur Individualisierung. Die Antwort ging auf den Aufbau der „Muskeln“ der Studierenden hin, der eigenen Fähigkeiten also. Die Inhalte sollten vom Auswendiglernen zur Vorstellungskraft und Kreativität gehen. Auch gute Noten sollten bei den Bewerbungsprozessen z.B. bei Samsung, weniger eine Rolle spielen. Persönlichkeitsbildung und Verantwortung sollten die neuen Leitlinien sein.

Der zweite Vortrag erfolgte durch Dr. Aufderheide, selbst Naturwissenschaftler und Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung. Er sprach allgemein über die Förderung der Geistes-und der Sozialwissenschaften in Deutschland und stellte die Frage, wie sich die Kooperation in diesem Bereich mit Korea fördern ließe.

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Die Position der Geistes- und Sozialwissenschaften ist stark, repräsentieren sowohl Studierende und Professoren ca. 50% an den Universitäten, einzig wiss. Mitarbeiter sind es nur ca. ein Drittel. Die Förderung in Deutschland ist im internationalen Vergleich eher gut mit ca. 7% staatlicher Förderung, ca. 17% bei DFG und bei AvH sogar mehr als ein Viertel der Geförderten. Es gibt daneben auch private Förderer und Organisationen. Die AvH ist mit 25.000 von insgesamt 32.000 Alumni noch immer in Kontakt und fördert deren starke Vernetzung sowie eine sehr individuelle Förderung. Bezüglich Korea ist der Anteil der AvH-Alumni im Bereich GW/SW bei sehr starken 40%.

Gegen die vermeintlich fehlende Internationalität der GW/SWler wurde der Anneliese Maier-Forschungspreis ausgelobt. Bislang gehören über 300 Koreaner zur AvH-Familie. Darunter gibt es viele, die politisch und gesellschaftlich herausragende Positionen eingenommen haben und immer noch einnehmen. Freiheit der Forschung als führendes Prinzip und Austausch junger Wissenschaftler sind Wünsche für den zukünftigen gemeinsamen Ausbau der Zusammenarbeit auf diesem Feld. Ergänzend fügt Frau Baehrens an, es gebe ein Rahmenprogramm des BMBF für die Förderung der GW und SW, welches langsam seine Wirkung entfalte.

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Ergänzung von Herrn Han Kyung Hwan, Journalist: In Korea sagt man, 90% der Geistes- und Sozialwissenschaften hätten nicht viel zu tun. Der Stellenwert gelte als eher niedrig. Dies spiegele auch die Erwartungen einer Leistungsgesellschaft auf dem Arbeitsmarkt wider. Die Frage ist, ob das in Deutschland auch so sei. Dr. Aufderheide antwortet darauf, dass die Arbeitslosigkeit von Akademikern zwar grundsätzlich niedrig sei, aber ein hohes Einkommen zu erzielen, sei häufig schwierig, dabei seien hier sehr qualifizierte und kreative Menschen anzutreffen. Ergänzend fügt Frau Baehrens an, dass es doch in D eine grundsätzlich hohe Akzeptanz von Geisteswissenschaftlern gebe und auch viele Erfolgsbiographien.

Prof. Choe, Chungho erinnert sich an die 60er Jahre, als das Korea Future Institute gegründet wurde. Dies war ein interdisziplinäres Zentrum, dessen Konzepte nun an der KU seine Realisierung erfahren haben. Er beglückwünscht Präsident Yeom dazu. Aber wer werden die zukünftigen Studierenden sein? Nach welchen Kriterien werden sie ausgewählt? Und wann wird das gesamte koreanische Schulsystem reformiert werden, was als sehr notwendig erscheint.

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Präsident Yeoms Antwort darauf lautet: Die Selektion läuft über 50% der Studierenden die von den Professoren ausgewählt werden über Interviews. Zudem wurde eine HR-Abteilung aufgebaut. Die Selektion wird nicht immer positiv gesellschaftlich aufgenommen, aber es könnte das Schulsystem insgesamt reformieren helfen.

Geschrieben: Christoph Pollmann, DAAD

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