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Koschyk: Deutsch-Koreanische Beziehungen auch in Zukunft dynamisch fortentwickeln
16. Oktober 2015
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Bundespräsident Joachim Gauck und der südkoreanischen Außenminister Yun Byong-se gemeinsam mit den Mitgliedern des „Deutsch-Koreanischen Beratergremiums zu außenpolitischen Fragen der Wiedervereinigung“ mit den Vorsitzenden Bundebeauftragten Hartmut Koschyk MdB und dem ehemaligen südkoreanischen Außenminister Han Sung-joo

Das deutsch-koreanische Verhältnis ist traditionell freundschaftlich und vertrauensvoll. Das Jahr 2013 stand im Zeichen von 130 Jahren bilateraler Beziehungen: Am 26. November 1883 schloss das Deutsche Reich mit dem Königreich Korea einen Handels-, Freundschafts- und Schifffahrtsvertrag. Deutschland genießt in Korea vielfach Sympathien: So einen Deutschland und Korea das Schicksal der Teilung und der spektakuläre wirtschaftliche Aufstieg in der Nachkriegszeit. Die deutsche Wiederaufbauhilfe nach dem Koreakrieg ist unvergessen: Dieser gegenseitige Austausch bestand zum einen aus Kreditzusagen an Korea in Höhe von 590 Mio. DM in den 1960er und 70er Jahren, sowie zum anderen aus der Entsendung koreanischer Krankenschwestern und Bergarbeiter. Deutsche Erfahrungen im Hinblick auf Teilung, Annäherungspolitik und Einigungsprozess bieten der koreanischen Politik und Wissenschaft zweifellos wichtige Anregungen für den eigenen Weg.

Die engen bilateralen Beziehungen spiegeln sich in einem intensiven Besuchsaustausch wider. In den letzten Jahren statteten zahlreiche Mitglieder des Deutschen Bundestages, Ministerpräsidenten der deutschen Bundesländer, Minister sowie andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens der Bundesrepublik Deutschland aus Politik, Wirtschaft und Kultur der Republik Korea Besuche ab. Zu den Höhepunkten zählten die Besuche von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel vom 11. bis 12. November 2010, vom damaligen Bundespräsidenten Prof. Dr. Horst Köhler vom 7. bis 10. Februar 2010, von Bundestagspräsident Prof. Dr. Lammert vom 27. bis 31. August 2008 und von Bundespräsident Joachim Gauck vom 11. bis 14. Oktober 2015. Die südkoreanische Präsidentin Park Geun-hye besuchte ihrerseits im März 2014 die Bundesrepublik Deutschland.

Deutschland verband 40 Jahre mit Korea das Schicksal der Teilung und auch 25 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer und der friedlichen Revolution in der DDR bilden die überwundene Teilung Deutschlands und ihr Fortbestehen auf der koreanischen Halbinsel weiterhin ein wichtiges Element der Verbundenheit zwischen Deutschland und Korea. Die Geschichte Deutschlands und Koreas hat es darüber hinaus gefügt, dass auch in Korea der 3. Oktober als Nationalfeiertag „Gä-Tschon-Dschol“ für die staatliche Einheit steht: Es ist der nationale Gründungstag des ersten Staates Koreas „Go-Dscho-Son“ im Jahr 2333 vor Christus durch den Gründungsvater „Dan-Gun“.

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Bundespräsident Joachim Gauck hat in seiner Rede vor der Nationalversammlung der Republik Korea am 12. Oktober 2015 daran erinnert, dass ein besonderes Band zwischen Korea und Deutschland die Erfahrung der Teilung der Nation in zwei Staaten bleibt. Der Bundespräsident machte sich trotz der anhaltenden Spannungen zwischen Nord- und Südkorea für einen Dialog stark. Südkorea und seine Partner sollten trotz der nuklearen Aufrüstung durch Pjöngjang „für einen Politikwechsel in Nordkorea werben, sie sollten daran arbeiten, und sie sollten Alternativen für Nordkorea aufzeigen“, sagte Bundespräsident Gauck bei seinem ersten Staatsbesuch in Südkorea vor der Nationalversammlung in Seoul. Ein Dialog nicht nur über die vermeintlich harten Themen der Sicherheitspolitik, sondern auch über Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und inzwischen auch die Umwelt könne „helfen, Kanäle der Kommunikation“ zu öffnen. Aber auch „die Kraft einer gemeinsamen Sprache und den Sinn für Zusammengehörigkeit, den Tradition und Geschichte stiften, sollte man nicht unterschätzen. Auch die Koreaner im Norden der Halbinsel haben ein Recht auf ein Leben in Frieden und Freiheit“, so Bundespräsident Gauck.

Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye sagte nach einem Treffen mit Bundespräsidenten Gauck, für Seoul und Berlin habe das Ende des nordkoreanischen Atomprogramms eine hohe Priorität. Außerdem wollten sich beide Seiten für eine Verbesserung der Menschenrechtslage in Nordkorea einsetzen. Sie bedanke sich, dass Deutschland die „Politik des Vertrauens“ ihrer Regierung gegenüber Pjöngjang unterstütze, sagte Präsidentin Park Geun Hye.

In seiner Rede vor der Nationalversammlung würdigte Bundespräsident Gauck die Nordkorea-Politik Parks. „Vertrauen und Dialog sind der Schlüssel zu friedlichem Wandel und zur Verständigung.“ Dieses Ziel müsse stets im Blick gehalten werden, so Fern es auch erscheinen möge. Die Signale aus Nordkorea schwankten zwischen Dialogbereitschaft und Konfrontation, sagte Bundespräsident Gauck. Ein richtiger und humaner Schritt beider koreanischer Staaten sei es, in diesem Monat neue Treffen von auseinandergerissenen koreanischen Familien zu ermöglichen. Die Treffen sollen zwischen dem 20. und 26. Oktober in Nordkorea stattfinden. Zuletzt hatte es im Februar 2014 solche kurzfristigen Begegnungen gegeben.

Das wiedervereinte Deutschland unterstützt alle Bemühungen zur Überwindung der Teilung Koreas und begleitet den innerkoreanischen Annäherungsprozess mit großer Anteilnahme. So wurde aus Anlass des 20. Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung ein bilaterales Expertengremium errichtet, das den Austausch von Informationen und wissenschaftlichen Erkenntnissen über den deutschen Vereinigungsprozess unterstützt und die Frage ihrer Nutzbarmachung für die koreanische Vereinigungspolitik erörtert. Unter anderem stellt Deutschland – soweit möglich – der Republik Korea auf ihren Wunsch hin staatliche Dokumente und weitere historische Unterlagen zum deutschen Einigungsprozess zur Verfügung.

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Nach den Beratungen haben die beiden Ko-Vorsitzenden Hartmut Koschyk MdB und Außenminister a.D. Han Sung-joo gemeinsam mit den weiteren Mitgliedern des „Deutsch-Koreanischen Beratergremiums zu außenpolitischen Fragen der Wiedervereinigung“ Bundespräsidenten Joachim Gauck und den südkoreanischen Außenminister Yun Byong-se über die Beratungsergebnisse unterrichtet.

Im Rahmen des Besuches von Präsidentin Park Geun- Hye im März 2014 wurde die Errichtung eines bilateralen Expertengremiums zu außenpolitischen Fragen der Wiedervereinigung auf den Weg gebracht. Die aus je sieben Experten aus beiden Ländern bestehende Kommission soll auf Wunsch der südkoreanischen Regierung Empfehlungen erarbeiten, welche Erfahrungen der außenpolitischen Aspekte der deutschen Wiedervereinigung auf die Situation auf der koreanischen Halbinsel und deren nordostasiatischen Umfeld übertragen werden können. Ende Oktober vergangenen Jahres hatte sich das Beratergremium in Seoul im Beisein von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und seinem südkoreanischen Amtskollegen Yun Byong-se konstituiert. Während des Besuches von Bundespräsidenten Gauck in der Republik Korea fand die 3. Sitzung des „Deutsch-Koreanischen Beratergremiums zu außenpolitischen Fragen der Wiedervereinigung“ statt, die auf deutscher Seite vom Vorsitzenden der Deutsch-Koreanischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages, Hartmut Koschyk MdB und auf koreanischer Seite vom ehemaligen südkoreanischen Außenminister Han Sung-joo geleitet wurde.

Die gute andauernde Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Korea muss auch weiterhin auf allen Ebenen nachhaltig fortentwickelt werden. So ist die Republik Korea nach Japan und der VR China bereits heute der drittgrößte Handelspartner Deutschlands in Asien. Deutschland hat sich nachhaltig für das Freihandelsabkommen zwischen der Republik Korea und der Europäischen Union eingesetzt, wovon heute insbesondere die deutsche Exportwirtschaft profitiert. Zweifellos könnte ein weiterer Ausbau der deutsch-koreanischen Beziehungen der Motor für einen nachhaltigen Ausbau der gesamten europäisch-asiatischen Beziehungen sein.

Bei dem Besuch von Bundespräsidenten Gauck in Südkorea wurde vereinbart auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit auszubauen, vor allem in den Bereichen Innovation, Forschung und Wissenschaft. Deutschland ist für Südkorea der wichtigste Handelspartner in der Europäischen Union. Bei einem Staatsbankett mahnte Gauck, offene Märkte, ein fairer Wettbewerb und Investitionssicherheit seien unerlässlich für eine weitere Vertiefung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen. „Hier darf es keine Rückschritte geben, Frau Präsidentin, dafür sollten wir uns gemeinsam einsetzen.“ Südkorea könne hier Vorreiter in Ostasien sein. Der Bundespräsident bezeichnete das Land als eine Art Stabilitätsanker in der ganzen Region.

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Deutschland und die Republik Korea sind jedoch weit mehr als Wirtschafts- und Handelspartner – Deutschland und die Republik Korea verbinden eine lange und tiefe Freundschaft und gemeinsame Wertvorstellungen. Eine Freundschaft, die auf allen gesellschaftlichen und politischen Ebenen nachhaltig vertieft und weiter ausgebaut werden sollte. In diesem Sinne haben die Fraktionen von CDU/CSU, SPD, FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in einem Entschliessungsantrag am 25. Juni 2013 anlässlich des 130. Jahrestages der deutsch-koreanischen Beziehungen beschlossen, die Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zu Korea auch in der Zukunft weiter auszugestalten und auf allen Ebenen dynamisch fortzuentwickeln. Die Antworten auf globale Herausforderungen bestimmen zunehmend auch die Politik in der Republik Korea und fördern die bilaterale Zusammenarbeit in zahlreichen Politikfeldern, wie beispielsweise der Stärkung des Multilateralismus, der Beteiligung an friedenserhaltenden Maßnahmen, dem Klimawandel und der Energiesicherheit, der Entwicklungszusammenarbeit, dem Kampf gegen den Terrorismus oder der Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen.

Neben der Intensivierung unserer politischen und wirtschaftlichen Beziehungen und der Bewältigung von gemeinsamen globalen Herausforderungen, gilt es in unseren bilateralen Beziehungen aber insbesondere auch, den Austausch zwischen den Menschen unserer beider Länder zu intensivieren und weiterzuentwickeln. Die Bedeutung, die in diesem Zusammenhang gerade auch dem Austausch von Schülern, Studenten, Auszubildenden und jungen Berufstätigen aus beiden Ländern beigemessen wird, wurde mit dem bereits genannten Entschließungsantrag des Deutschen Bundestages „Die deutsch-koreanischen Beziehungen dynamisch fortentwickeln“ vom 25. Juni 2013 hervorgehoben: Die Bundesregierung wird darin ausdrücklich aufgefordert, mit der Regierung der Republik Korea konkrete Maßnahmen zu vereinbaren, die den Austausch zwischen der jungen Generation beider Länder quantitativ und qualitativ voranbringt.

Ein reicher Austausch auf kultureller Ebene bildet eine wichtige Brücke zwischen Korea und Deutschland. Die deutschen Politischen Stiftungen, die Alexander von Humboldt-Stiftung, der Deutsche Akademische Austauschdienst und das Goethe-Institut leisten hierbei auf der koreanischen Halbinsel eine vorbildliche Arbeit.

Das große Interesse in Südkorea an der deutschen Kultur und gerade auch von jungen Koreanern in Deutschland zu studieren symbolisiert trefflich den von Harmonie geprägten Dialog und die tiefe Freundschaft zwischen Deutschland und Korea, den es weiter zu vertiefen und nachhaltig fortzuentwickeln gilt.

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