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Sollte der Kulturtourismus in Deutschland weiter gestärkt werden ? Hartmut Koschyk sagt entschieden „Ja“!
13. Februar 2010
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Mit seinem reichen, einzigartigen kulturellen Erbe und seiner Vielzahl kultureller Angebote ist Deutschland ein beliebtes Reiseziel für Kulturtouristen aus aller Welt. In den letzten Jahren ist Deutschland zum zweitbeliebtesten Kulturreiseland in Europa nach Frankreich aufgestiegen. Dabei haben die Kulturreisen nach Deutschland um rund 30 Prozent zugenommen. Außerdem werden von den Deutschen pro Jahr etwa 80 Millionen Kulturausflüge unternommen. Ziel der Besucher sind unter anderem die 33 UNESCO-Welterbestätten – zu denen hoffentlich auch bald das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth gehören wird – , 1.100 historische Stadt- und Ortskerne mit besonderer Denkmalbedeutung, zahlreiche Kunstschätze und einzigartige Bauwerke, 6.000 Museen, 130 Berufsorchester, 180 thematische Straßen, Kulturwege und historische Routen, 360 öffentliche und private Bühnen sowie 12.000 Kultur- und Volksfeste. Daneben sind auch die Kirchen ein bedeutender Bestandteil des kulturellen Lebens in Deutschland: Besonders mit Konzerten und Ausstellungen sprechen sie kulturinteressierte Besucher an.

Um den Kulturtourismus in Deutschland zu stärken und damit beispielsweise auch die Kultur- und Festspielstadt Bayreuth, die durch das Erbe der Markgräfin Wilhelmine, Richard Wagners, Franz Liszts und Jean-Pauls von weltweiter kultureller Bedeutung ist, hat die christlich-liberale Koalition im Deutschen Bundestag hierzu einen Gesetzesentwurf erarbeitet.

Nach dem Gesetzesentwurf soll die Bundesregierung unter andrem Gespräche mit den Ländern und den kommunalen Spitzenverbänden aufzunehmen, mit dem Ziel, sich auf ein gemeinsames Kulturtourismuskonzept zu verständigen, welches die kommunale Selbstverwaltung und die Länderinteressen wahrt. Im Rahmen dieses Konzeptes ist die Vermarktung von Kulturangeboten in den Städten und ländlichen Regionen in gleichem Maße zu berücksichtigen. Ebenso soll beispielsweise die von der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ empfohlene Schaffung einer Plattform für strategisches kulturtouristisches Marketing von Bund und Ländern unter Einbeziehung der Dachverbände aus Kunst, Kultur und Tourismus geprüft werden. Die Akteure aus Kunst, Kultur und Tourismus sollten auf freiwilliger Basis Maßnahmen zur Stärkung des Kulturtourismus verabschieden und dabei touristische wie kulturelle Belange berücksichtigen.

Des weiteren soll das baukulturelle Erbe durch das UNESCO-Welterbeprogramm sowie das Bund-Länder-Programm Städtebaulicher Denkmalschutz genutzt werden, um die gewachsenen Identitäten von historischen Städten und Kulturlandschaften zu bewahren, zu entwickeln und in der öffentlichen Wahrnehmung zu stärken. Die baukulturellen Leistungen von Denkmalpflege, Architektur und Städtebau, Freiraumgestaltung und Ingenieurbaukunst sind für den Städtetourismus aktiv zu erschließen. Als Beispiel möchte ich hier auch das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth nennen, dass sicherlich in naher Zukunft ebenfalls einen Weltkulturerbestatus erhalten wird.

Auf der Grundlage von Kulturabkommen und anderen Regierungsvereinbarungen führt Deutschland bereits regelmäßig bilaterale Kulturkooperationen mit verschiedenen Staaten über den Zeitraum eines Jahres oder in Form von Deutschlandwochen durch. Mithilfe dieser Veranstaltungen werden neue Kooperationsprojekte angestoßen, werden die kulturellen Besonderheiten sowohl der deutschen Gesellschaft als auch der Gesellschaft des jeweiligen Partnerlandes im Dialog miteinander vermittelt und im Ergebnis Vertrauen, Verständigung und Verständnis zwischen den Ländern aufgebaut. Diese Formen der Kulturkooperation sind zugleich kulturtouristisch von großer Bedeutung, führen sie doch zu vielen Reisen, Besuchen und Begegnungen.

Trotz der positiven Beispiele und offensichtlichen Vorteile sind beim Zusammenwirken von Kultur und Tourismus aber noch nicht alle Potenziale gewinnbringend genutzt. Oftmals sind Berührungsängste und Vorurteile festzustellen, die auf den unterschiedlichen Bedürfnissen und Abhängigkeiten beider Seiten beruhen. So ist die Tourismusbranche auf die Vermarktungsfähigkeit der Kultur-Produkte angewiesen – eine solche Kundenorientierung ist auf der Kulturseite aber nicht immer gegeben. Als Vermarktungshemmnisse werden von den Touristikern vor allem die Kurzfristigkeit von Programmplanungen, Probleme bei der Bereitstellung von festen Kontingenten, die mangelnde Bereitschaft bzw. Möglichkeit für Provisionszahlungen an Reiseveranstalter oder auch das Fehlen mehrsprachiger Besucherinformationen erkannt.

Die Kulturakteure machen dagegen deutlich, dass Kultur- und Kunstangebote als ein öffentliches Gut über ihre Bedeutung für den Tourismus hinaus auch einen Wert an sich haben. So erfüllen kulturelle Angebote wie Kulturdenkmäler und Kultureinrichtungen neben der Präsentation von Kunst und Kultur auch gesellschaftliche und wissenschaftliche Aufgaben. Wenn die Kultureinrichtungen auf lange Sicht ihren Stellenwert im kulturellen und wissenschaftlichen Leben erhalten sollen, dürfen diese Aufgaben nicht zu Gunsten des Tourismus vernachlässigt werden. Um für diese unterschiedlichen Interessenlagen auf beiden Seiten Verständnis zu schaffen und Lösungen für gemeinsames, vernetztes Handeln zu finden, ist ein intensiver Dialog auf Augenhöhe notwendig – Kultur und Tourismus müssen sich noch mehr als bisher als Partner verstehen.

Der von der christlich-liberale Koalition im Deutschen Bundestag erarbeitete Gesetzesentwurf, trägt all dem Rechnung und trägt dazu bei den Kulturtourismus in unserem Land nachhaltig zu stärken. Aus diesem Grund findet der erarbeitete Gesetzesentwurf meine vollste Unterstützung.

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