Für Deutschland
Bundesbeauftragter Koschyk nimmt am 12. Folklorefestival der DOMOWINA in der Lausitz / Łužica teil
23. Juni 2017
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Vom 22. Juni bis zum 25. Juni 2017 organisiert die Domowina – Bund Lausitzer Sorben e.V. mit vielen weiteren Partnern bereits zum 12. Mal das Internationale Folklorefestival „Łužica/Lausitz“.

Tanz- und Folkloregruppen der Lausitzer Sorben haben dazu 10 Ensembles aus aller Welt eingeladen um dem interessierten Publikum ein abwechslungsreiches und buntes Programm bieten zu können. Bei der Auswahl legen die Ausrichter besondere Aufmerksamkeit auf die Teilnahme von Volksgruppen und Minderheiten.

Das 12. Folklorefestival findet an verschiedenen Orten der Ober- und Niederlausitz statt: In Bautzen, Crostwitz und Drachhausen.

Bundesbeauftragter Koschyk spricht auf Einladung des Vorsitzenden der Domowina, David Statnik, am 23. Juni 2017 sein persönliches Grußwort auf der Hauptbühne in Drachhausen:

„Über die Einladung, heute mit Ihnen zusammen am Internationalen Folklorefestival hier in der Lausitz teilzunehmen, habe ich mich sehr gefreut. Bereits der Blick auf das Programm für die vier Festivaltage hat mich im Vorfeld sehr beeindruckt. Die Zahl und die Vielfalt der Darbietungen, die Internationalität der Teilnehmenden und die breite Zielgruppe, an die sich die Veranstaltungen richten, darunter auch Veranstaltungen speziell für Kinder und Familien, sind außergewöhnlich.

Dass sich das Folklorefestival nicht nur der bloßen Traditionspflege verschrieben hat, sondern die Bewahrung kultureller Identität von den Veranstaltern auch bewusst als wichtiges politisches Anliegen begriffen wird, beweist das in das Festivalprogramm integrierte Kolloquium zum Thema „Integration von Minderheiten im Spannungsfeld der Bewahrung kultureller Identität“.

In meinem Amt als Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten hebe ich bei Gesprächen auf politischer Ebene immer wieder die wichtige Rolle hervor, die sowohl der Pflege der eigenen Sprache als auch der Pflege der spezifischen Traditionen und kulturellen Besonderheiten der nationalen Minderheiten bei der Bewahrung ihrer Identität zukommt. Hierzu gehört auch die religiöse Identität einer nationalen Minderheit.

Traditionen und Brauchtum müssen immer wieder aufs Neue mit Leben gefüllt werden, damit sie für künftige Generationen bewahrt bleiben. Die vielen sorbischen Vereine leisten hier hervorragende Arbeit. Auch das Folklorefestival beweist dies einmal mehr sehr eindrücklich.

Hervorheben möchte ich bei dieser Gelegenheit aber auch die Arbeit der Domowina als Dachverband der sorbischen Vereinigungen und die Stiftung für das sorbische Volk, die sich beide mit großem Engagement für den Erhalt und die Förderung der sorbischen Sprache und Kultur einsetzen.

Im März dieses Jahres hatte ich die Ehre, bei der 18. Hauptversammlung der Domowina in Hoyerswerda anwesend sein zu dürfen, und habe mich dort von der Leistungsfähigkeit des Verbands und dem besonderen persönlichen Einsatz aller Beteiligten selbst überzeugen können.

Eine ganz zentrale Funktion hat auch die Stiftung für das sorbische Volk, die mit den ihr gewährten finanziellen Mitteln des Bundes, des Freistaates Sachsen und des Landes Brandenburg eine Vielzahl unterschiedlicher sorbischer Institutionen fördert, darunter auch das Sorbische National-Ensemble und das Deutsch-Sorbische Volkstheater, die beide mit eigenen Beiträgen das diesjährige Festivalprogramm mitgestalten. Die Festveranstaltung im Oktober letzten Jahres in Cottbus anlässlich des 25. Jahrestages der Gründung der Stiftung hat mir noch einmal deutlich vor Augen geführt, welche beeindruckende Entwicklung die Stiftung seit ihrer Gründung genommen hat.

Ich bin deshalb froh, dass es dem Bund, dem Freistaat Sachsen und dem Land Brandenburg gelungen ist, im letzten Jahr ein neues Abkommen über die gemeinsame Finanzierung der Stiftung für das sorbische Volk zu vereinbaren, das der Stiftung für die nächsten Jahre eine auskömmliche Finanzierung sichert.

Zusätzliche Mittel sind zudem für Projekte zur Förderung der sorbischen Sprache in den neuen Medien bereitgestellt worden. Es ist aus meiner Sicht eine der großen Herausforderungen für alle nationalen Minderheiten wie für die Sprecherinnen und Sprecher der Regionalsprache Niederdeutsch, die ebenfalls in meinen Aufgabenbereich fällt, den Gebrauch ihrer Sprache auch in den elektronischen Medien, insbesondere den sozialen Netzwerken, sicherzustellen.

Dazu gehört neben dem Willen und der Bereitschaft der Angehörigen der jeweiligen Sprachgruppe, ihre Minderheitensprache oder Regionalsprache auch „online“ zu benutzen, dass die technischen Voraussetzungen gegeben sind, die den Gebrauch dieser Sprachen in den elektronischen Medien überhaupt ermöglichen. Genau dies soll mit den Fördergeldern erreicht werden.

Sorbisch wird jedoch nicht nur in den sozialen Medien vermehrt genutzt. Auch im Deutschen Bundestag wurde vor kurzem Sorbisch gesprochen. Die sorbische Sprache ist ebenso wie die Sprachen der anderen in Deutschland anerkannten nationalen Minderheiten und die Regionalsprache Niederdeutsch durch die Europäische Charta der Regional- oder Minderheiten besonders geschützt.

Diese Europäische Sprachencharta des Europarats feiert in diesem Jahr ihr 25jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass fand am 2. Juni eine Debatte im Deutschen Bundestag zu den sogenannten Charta-Sprachen, also den in Deutschland anerkannten Regional- und Minderheitensprachen statt. Diese Debatte wurde von Vertreterinnen und Vertretern der Selbstorganisationen der nationalen autochthonen Minderheiten und der Sprechergruppe Niederdeutsch und einer Gruppe junger Sorben und junger deutscher Sinti und Roma auf der Besuchertribüne des Plenarsaals mitverfolgt, mit denen ich zuvor in meinem Büro im Bundesministerium des Innern über die Belange und den Schutz der nationalen Minderheiten in Deutschland diskutiert hatte. Es wurde aber nicht nur auf der Besuchertribüne Sorbisch gesprochen. Die sorbische Bundestagsabgeordnete Maria Michalk hat die Debatte im Plenum des Deutschen Bundestages genutzt, um einen Teil ihrer Rede auf Obersorbisch und auch auf Niedersorbisch zu halten, und hat dafür nicht nur von den sorbischen Besuchern kräftigen Applaus erhalten.

Am Ende der Debatte haben Abgeordnete aller Fraktionen einstimmig einen Entschließungsantrag des Bundestages zu den Regional- und Minderheitensprachen angenommen. Darin wird die Bedeutung der in Deutschland anerkannten Regional- und Minderheitensprachen besonders gewürdigt. Der Antrag macht deutlich, dass der Deutsche Bundestag die Sprachencharta auch weiterhin als Auftrag an alle zuständigen Stellen in Deutschland versteht, die Regional- und Minderheitensprachen zu schützen und zu fördern.

Er enthält unter anderem einen Auftrag an die Bundesregierung, zu prüfen, ob das Minderheitennamensänderungsgesetz dahin gehend novelliert werden kann, dass es den Sorbinnen künftig möglich ist, die in der sorbischen Sprache vorgesehene spezifische weibliche Form des Nachnamens zu führen. Ich denke, dass mit der Verabschiedung des Antrags ein starkes Signal sowohl an die Sprecherinnen und Sprecher der Regional- und Minderheitensprachen als auch an die Öffentlichkeit gesendet wurde, dass diese Sprachen ein hohes kulturelles Gut darstellen, das es zu erhalten und zu pflegen gilt.

Aber es ist noch einiges mehr notwendig, um die Regional- und Minderheitensprachen in Deutschland dauerhaft erhalten zu können und dafür diese im Bewusstsein der Allgemeinheit zu stärken.

So stärkt etwa die in den vergangenen Jahren erfolgte Aufstellung von zweisprachigen Ortsschildern und Stationsschildern auf Bahnhöfen in Schleswig, im Saterland und in der Lausitz verstärkt das Bewusstsein für die kulturellen Besonderheiten der betreffenden Regionen. Ich würde mich freuen, wenn hierzu künftig auch eine zweisprachige Beschilderung von Bundesfernstraßen, gerade hier in der Lausitz, beitragen würde. Ich habe vor wenigen Wochen gemeinsam mit Minderheitenvertretern hierzu ein Gespräch mit der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur, Frau Dorothee Bär MdB, geführt und dort nachhaltig für die zweisprachige Beschilderung auch auf Bundesautobahnen geworben.

Zum Schluss möchte ich Sie noch auf eine Sache aufmerksam machen, die mir sehr am Herzen liegt.

Es handelt sich um die Europäische Bürgerinitiative „Minority SafePack“, die unter anderem von der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten, dem größten europäischen Dachverband von Organisationen nationaler Minderheiten und Volksgruppen, mitinitiiert worden ist. Die Bürgerinitiative zielt auf eine Verbesserung des Schutzes für Angehörige nationaler Minderheiten und von Sprachminderheiten sowie auf die Stärkung der kulturellen und sprachlichen Vielfalt in der Europäischen Union ab. Nachdem die Europäische Kommission die Registrierung der Initiative im Jahr 2013 aus formellen Gründen abgelehnt hatte, hat das Gericht der Europäischen Union, das die Initiatoren gegen die Ablehnungsentscheidung angerufen hatten, diese Entscheidung im März dieses Jahres aufgehoben. Die Europäische Kommission hat die Bürgerinitiative daraufhin registriert. Die Initiatoren haben nun ein Jahr Zeit, um die erforderliche Zahl von einer Million Unterstützungserklärungen aus mindestens sieben verschiedenen Mitgliedstaaten der Europäischen Union zu sammeln, damit sich die Europäische Kommission auch inhaltlich mit der Initiative befassen muss.

Ich habe meine Unterstützungsunterschrift am 2. Juni geleistet. Vielleicht haben auch Sie die Gelegenheit, sich über die genauen Ziele dieser Europäischen Bürgerinitiative zu informieren und diese wichtige Initiative für mehr Minderheitenschutz in Europa unterstützen.“

Alle Informationen und das Programm finden Sie hier.

Zur Homepage der DOMOWINA gelangen Sie hier.

Das Grußwort als PdF-Datei finden Sie hier.

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