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Effektvoll und emotional / Humboldt-Kulturforum: Eindrucksvoller Liederabend mit Antonia Ruck und Kirill Kvetniy
9. August 2020
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Mit einem überaus anspruchsvollen Programm gastierten am Samstagabend die junge Augsburger Sopranistin Antonia Ruck und der aus Usbekistan stammende Pianist Kirill Kvetniy in der katholischen Kirche St. Michael in Goldkronach. Auf dem Programm der vom Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach veranstalteten Sommerserenade standen italienische Lieder und Arien des Bel Canto sowie einige Kompositionen für Klavier solo.

Obwohl Antonia Ruck bereits an verschiedenen Meisterkursen teilgenommen und an großen kirchenmusikalischen Aufführungen mitgewirkt hat, studiert die auf Bundesebene erfolgreiche Jugend-musiziert-Teilnehmerin nicht etwa Gesang, sondern Rechtswissenschaften und hat gerade ihr Erstes Staatsexamen abgelegt. Das allein zeigt schon, dass die junge Sopranistin ein echtes Multitalent ist. Begleitet wurde sie von dem usbekischen Pianisten Kirill Kvetniy, der als Lehrbeauftragter am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg im Fach Korrepetition Gesang tätig ist. Damit hatte Antonia Ruck einen echten Könner an ihrer Seite, der im Laufe des Abends auch Gelegenheit bekommen sollte, sein solistisches Talent zu beweisen.

Doch zuvor gab es erst einmal Mozart, der Antonia Ruck scheinbar am allerbesten liegt. Bei den beiden Arien „Un moto di giola“ und „De vieni non tardar“ aus der „Hochzeit des Figaro“ wird schnell klar, dass ihre Stimme ein inneres Strahlen besitzt, wie man es von den Großen des Faches kennt. Da kommt kein Moment der Langeweile auf. Antonia Rucks Lust am Gesang wird auch in der Arie „Che fiero momento“ aus „Orpheus und Eurydike“ von Christoph Willibald Gluck deutlich. Auch hier kann sie sich auf ihre souverän geführte Stimme verlassen.

Einen eher unbekannten Beethoven erlebt der Zuhörer in dessen italienischer Arie „Dimmi ben mio“. Hier wird deutlich, dass es Antonia Ruck nicht bei der Schönheit ihres Gesangs belässt, sondern auch den Charakter des Komponisten herausarbeitet. In der Arie aus der Romeo-und-Julia-Oper „I Capuleti“ von Vincenzo Bellini versteht es die Sängerin, Verzierungen in eine melodische Linie einzuwirken. Intelligent akzentuiert singt sie mit Ausdruck und Emotion.

Ausdrucksvoll und exzellent gesungen erklingt auch die Arie „Quando men vo“ aus „La Boheme“ von Giacomo Puccini. Hier punktet Antonia Ruck mit überlegenem und überlegtem Gesang und vermittelt dabei die Partie der Musetta absolut plastisch. Wie flexibel und beweglich ihr Sopran ist, das zeigt Antonia Ruck am Ende mit der bekannten Arie „O mio Babbino caro“, einem echten Schlager aus der Oper „Gianni Schicchi“ von Giacomo Puccini. Was für ein effektvoller Ausklang, bei dem Antonia Ruck ein echtes Feuerwerk zum Klingen bringt.

Was ein exzellenter Liedbegleiter ist, der muss eigentlich auch ein guter Solist sein. Das beweist Kirill Kventniy mit Raffinesse und technischer Überlegenheit mit den ebenfalls überaus anspruchsvollen Kompositionen, die er ausgewählt hatte. Bachs „Air“ aus der Suite Nr. 3 in einem ganz besonderen Arrangement von Alexander Siloti oder dessen „Siciliano“, BWV 1031, dem Satz aus einer Flötensonate den der weltberühmte Wilhelm Kempff für Klavier arrangiert hatte. Als wäre das alles nicht genug, gibt es auch noch Beethovens „Mondscheinsonate“, op. 27/2, zumindest den 1. Satz daraus, den Kirill Kventniy gefühlvoll, poetisch und bestechend virtuos interpretiert.

Alles in allem ein hochkarätiges Konzert, das weit mehr als die Corona-bedingt nur 40 Zuhörer verdient gehabt hätte. Alle anderen hatten Gelegenheit, die Serenade online zu verfolgen. Das sei auch dringend notwendig, in einer Zeit, in der sich viele Menschen nach Kultur geradezu sehnen, sagte der Kulturforumsvorsitzende Hartmut Koschyk. Er erinnerte auch daran, dass Antonia Ruck schon mehrfach beim Kulturforum aufgetreten ist.

Stephan Herbert Fuchs

Die junge Augsburger Sopranistin Antonia Ruck und der Pianist Kirill Kvetniy gastierten am Samstagabend auf Einladung des Alexander-von-Humboldt-Kulturforums in der katholischen Kirche St. Michael in Goldkronach.

Foto: Stephan Herbert Fuchs

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