Für die Region
Regionalbischöfin Greiner startete Humboldt-Kultursommer mit geistlichem Impuls
15. Mai 2015
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Das Jubiläum 500 Jahre Reformation im Jahr 2017 soll nicht heißen, dass die Spaltung der Kirche gefeiert wird. „Wir feiern nicht die Trennung, sondern beklagen sie“, sagte Regionalbischöfin Dorothea Greiner beim Auftakt des Alexander-von-Humboldt-Kultursommers in Goldkronach. Die Regionalbischöfin wies außerdem darauf hin, dass 2017 das erste Reformationsjubiläum sei einem halben Jahrtausend im ökumenischen Geist begangen werde.

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Für die musikalische Umrahmung sorgte der Studiochor der Hochschule für Evangelische Kirchenmusik in Bayreuth.

Überhaupt werde mit dem Reformationsjubiläum gar nicht Martin Luther gefeiert. „Das wäre ihm selbst gar nicht recht gewesen“, sagte Greiner. Vielmehr werde Jesus Christus gefeiert, denn um ihn ging es auch Martin Luther. „Allein durch den Glauben an Christus und allein aus Gnade steht uns der Himmel offen, das ist die Botschaft der Reformation“, so Greiner. Längst sei diese gute Botschaft zwischen Katholiken und Lutheranern nicht mehr strittig. „Darum können und sollen wir im Jahr 2017 die Botschaft der Reformation gemeinsam feiern, auch wenn die konfessionellen Lager als Folge der Reformation unaufhörlich  auseinander drifteten und die Folgen schrecklich waren.“ Der Dreißigjährige Krieg zwischen 1618 und 1648 habe zusammen mit der Pest das Leben von mindestens einem Drittel der Deutschen Bevölkerung gefordert. Darum stellte Greiner noch einmal die Frage: „Können wir die Reformation überhaupt feiern? Hat sie nicht die Kirchentrennung hervorgebracht und unendliches Kriegselend über Europa?“.

Die Antwort lautete: Neben der Freude über die gemeinsamen Glaubensinhalte, gehe dies nur, wenn wir auch ehrlich das Versagen auf beiden Seiten benennen. Zwei Herausforderungen beinhalte das Gedenkjahr: Reinigung und Heilung der Erinnerungen und Wiederherstellung der christlichen Einheit in Übereinstimmung mit der Wahrheit des Evangeliums von Jesus Christus. In jenem Konflikt seien beide Seiten aneinander schuldig geworden. Greiner: „Auch heute brauchen wir Selbstkritik. Ohne Demut, Bitte um Vergebung und Versöhnung von Herzen gibt es keine Einheit in Christus.“

Die Regionalbischöfin erinnerte auch daran, dass Martin Luther seine geliebte Kirche nicht spalten, sondern reformieren wollte. Heute wären seine Thesen gewiss nicht mehr kirchentrennend.

Ein Konsens, etwa durch Melanchthons humanistisch geprägtes Papier „Confessio Augustana“ sei misslungen. So klar und deftig Luthers Sprüche in frühen Jahren auch gewesen seien („Ich esse und trinke, was ich mag, und sterbe, wann Gott will“), so bitter und ambivalent seien seine späteren Aussagen über Papst und Kirche. Ganz besonders zeige eine seiner letzten Schriften mit dem Titel „Wider das Papsttum zu Rom, vom Teufel gestiftet“.

Es ist eine gute Tradition, dass der Alexander-von-Humboldt-Kultursommer in jedem Jahr mit einem geistlichen Impuls gestartet wird. „Alle Kultur gründet sich auf das christliche Fundament Europas“, sagte der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, gleichzeitig Gründungsmitglied und Ideengeber des Kulturforums.

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Fürbitt- und Segensgebete sprachen ebenfalls in ökumenischer Verbundenheit Pater Markus Flasinski, Pfarrer Hans-Georg Taxis und Regionalbischöfin Greiner. Musikalisch umrahmte der Studiochor der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik in Bayreuth unter der Leitung von Seonghyang Kim aus Süd-Korea und Johannes Schnabel aus Deutschland sowie die Organistin Anne Schneider die Auftaktveranstaltung in der Goldkronacher Stadtkirche.

Zuvor hatte sich Goldkronachs 3. Bürgermeister Wieland Pietsch für die großartige Bereicherung des Kulturlebens in der Stadt durch das Kulturforum bedankt. Erst durch das Alexander-von-Humboldt-Kulturforum Schloss Goldkronach werde dem Andenken an das Wirken des weltbekannten Universalgelehrten zwischen 1792 und 1795 in der Stadt eine angemessene Erinnerung zuteil.

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