Für die Region
Wirtschaftsfaktor und Kulturgut zugleich: 6. Bayreuther Kulturgespräch drehte sich um die Situation des deutschen Films
5. August 2009
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Kulturgespräch im Kino: Im Bayreuther „Cineplex“ tauschten sich der Regisseur Peter Sehr, der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, die stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär und der Schauspieler Gilbert von Sohlern (von links) aus.

Bayreuth. Der international renommierte Regisseur Peter Sehr wird das Leben des bayerischen Märchenkönigs Ludwig II. neu verfilmen. Das hat Sehr beim 6. Bayreuther Kulturgespräch des Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk am Dienstagabend bekannt gegeben. Start der Dreharbeiten wird bereits im kommenden Jahr sein, geplant sind sowohl eine kürzere Fernseh- als auch eine längere Kinofassung. Auch die Besetzung stehe bereits fest, allerdings wollte Sehr („Kaspar Hauser“, „Das serbische Mädchen“) noch keine Namen nennen.
Beim Kulturgespräch, einer öffentlichen Veranstaltung, die seit 2004 alljährlich zur Festspielzeit in Bayreuth stattfindet, bezeichnete Sehr den Märchenkönig als absolut faszinierende Persönlichkeit. Ludwig werde im Vergleich zu vielen anderen historischen Persönlichkeiten deshalb heute noch derart stark wahrgenommen, weil er überzeugt davon gewesen sei, dass sich der humanitäre Gedanke auf der Welt verbreiten und durchsetzen werde. Die Stadt Bayreuth hatte der prominente Regisseur deshalb für die Bekanntgabe seines neuen Projektes ausgewählt, da in dem neuen Ludwig-Film der Komponist Richard Wagner eine exponierte Rolle einnehmen werde. Unter anderem sollen in dem Streifen auch Einblendungen der Opern „Lohengrin“ sowie „Tristan und Isolde“ zu sehen sein. Ob Teile des Films auch in Bayreuth gedreht werden, darauf wollte sich der Regisseur noch nicht festlegen.

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Schon im Vorfeld der Diskussionsrunde nutzten Hartmut Koschyk MdB, Dorothee Bär MdB, Gilbert von Sohlern und Prof. Dr. Peter Sehr (von links) die Gelegenheit des Gedankenaustausches.

Während in den zurückliegenden Jahren die Kulturpolitik von Bund und Land oder im zurückliegenden Jahren die Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele mit ihrer jetzigen Leiterin Katharina Wagner als Gast im Mittelpunkt des Kulturgesprächs standen, ging es diesmal um den deutschen Film. Der im oberfränkischen Forchheim gebürtige Schauspieler Gilbert von Sohlern, bekannt aus „Schlafes Bruder“, „Das Wunder von Lengede“ oder aus der TV-Serie „Pater Braun“, vertrat dabei die Ansicht, dass die Krise mittlerweile auch in der Filmbranche angekommen sei. „Die Arbeitsbedingungen am Set haben sich verändert und der Druck hat zugenommen“, sagte Sohlern. Nur noch Top-Protagonisten würden auch entsprechend bezahlt, die zweite oder dritte Garde dagegen nicht mehr. Seien früher 26 Tage Aufnahmezeit für eine 90-Minuten-TV-Produktion der Durchschnitt gewesen, müsse eine derartige Produktion heute in höchstens 22 Tagen fertig gestellt sein.
Zu schaffen machten vielen Schauspielern auch die besonderen Bedingungen der Arbeitslosenversicherung. So müssten Schauspieler mindestens ein volles Jahr Beschäftigung binnen zwei Jahren nachweisen, um Arbeitslosengeld zu erhalten. Da dies in der Praxis kaum machbar sei, wanderten viele seiner Kollegen in andere Bereiche ab, der Filmbranche gehe auf diesem Weg jede Menge Know-how verloren.
Wichtigste Aufgabe von Kulturpolitikern in Sachen Film müsse es sein, der Piraterie den Riegel vorzuschieben und für den Schutz des geistigen Eigentums einzutreten, sagte Dorothee Bär, stellvertretende CSU-Generalsekretärin und Mitglied der Vorauswahljury des Deutschen Filmpreises. Ihren Worten zufolge besitze der deutsche Film eine ungeheuere Bandbreite, was schon allein daran deutlich werde, dass beispielsweise im vergangenen Jahr 174 deutsche Neuproduktionen in die Kinos gelangten. Damit sei der Film Wirtschaftsfaktor und Kulturgut zugleich, sagte MdB Koschyk. Als weitere bedeutsame Aufgabe der Politik bezeichnete es Bär, die noch einigermaßen erhaltene, flächendeckende Struktur kleiner Kinos in Bayern trotz fortschreitender Technisierung aufrechtzuerhalten.
Allerdings sei dies nicht unbedingt einfach, so Ursula Scheicher, die mit dem Kintopp in Hollfeld im Landkreis Bayreuth ein derartiges „Landkino“ betreibt. Die langjährige Mitarbeiterin des ZDF sprach von 2500 bis zu 3000 Euro, die sie pro Monat in den Betrieb stecken müsse. „Man muss schon wirklich verrückt sein, um so etwas zu machen“, sagte Scheicher.

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Blick von den Zuschauerrängen auf die Diskutanten im Cineplex Bayreuth (Kino Broadway).

Blick von den Zuschauerrängen auf die Diskutanten im Cineplex Bayreuth (Kino: Broadway)

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Seine selbstgestalteten Teller übergab Küstler Mariano Rinaldi Goni am Ende des 6. Bayreuther Kulturgespräches in Bayreuth

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Jost Vielhaber, Public Director bei Belland Vision Berlin, nutzte als Sponsor die Gelegenheit in einem kurzen Interview die sechs-jährige Zusammenarbeit zwischen seinem Unternehmen und MdB Koschyk hervorzuheben.

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In einem kurzen Interview nutzte MdB Koschyk die Gelegenheit eines Gedankenaustausches mit Peter Freiherr von Klopmann (AAGLAND Manufraktur Schloss Kühlenfels).

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