Für Deutschland International
Grußwort des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk MdB zu der Festveranstaltung „Konzert der Polnischen Musik“
29. Juni 2016
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Grußwort

des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten

Hartmut Koschyk MdB

zu der Festveranstaltung

„Konzert der Polnischen Musik“

des Konvents der polnischen Organisationen in Deutschland und der Geschäftsstelle der Polonia in Berlin / Konwent Organizacji Polskich v Niemczech oraz Biuro Polonii w Berlinie

aus Anlass des 25. Jubiläums der Unterzeichnung des Deutsch-Polnischen Vertrags über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit

am 29. Juni 2016

in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin

 

Ich bedanke mich ganz herzlich für die Einladung zu dem heutigen Festkonzert, hier in der Französischen Friedrichstadtkirche im Herzen Berlins. Ich darf Ihnen die herzlichen Grüße und guten Wünsche der Bundesregierung, insbesondere von der Bundeskanzlerin, Frau Dr. Angela Merkel, von den Bundesministern des Äußeren und des Innern, Herr Dr. Frank-Walter Steinmeier und Herr Dr. Thomas de Maizière, sowie von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Frau Staatsministerin Prof. Monika Grütters, übermitteln.

Die Bedeutung der heutigen Festveranstaltung wird durch die gemeinsame Schirmherrschaft der Staatsoberhäupter von Polen und von Deutschland, von Staatspräsident Dr. Andrzej Duda und von Bundespräsident Dr. h.c. Joachim Gauck unterstrichen. Es ist mir daher eine besondere Freude, den Chef des Kabinetts des Präsidenten der Republik Polen, Herrn Minister Adam Kwiatkowski, begrüßen zu dürfen.

Die Veranstalter, der Konvent der polnischen Organisationen in Deutschland und das Büro der Polonia in Berlin, bereiten uns heute Abend einen sicherlich wunderbaren Musikgenuss. Das berühmte Kammerorchester „Academia“ aus Stettin / Szczezin wird uns Werke der beiden klassischen Komponisten Karol Kurpiński und Frederic Chopin sowie eines der Hauptvertreter der modernen Musik aus Polen, Wojciech Kilar vortragen. Wojciech Kilar ist vor allem natürlich unter den Fans der cineastischen Kunst alles andere als ein Unbekannter, gilt der 2013 Verstorbene doch als einer der bedeutendsten Filmkomponisten weltweit. Ich danke dem Kammerorchester „Academia“ unter der Leitung des bekannten Dirigenten Professor Bohdan Boguszewski sowie dem jungen Pianisten Szymon Nehring herzlich dafür, dass Sie heute bei uns sind.

Wir sind heute Abend in der Französischen Friedrichstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt zusammengekommen. Dieses ist von großer Symbolkraft in zweierlei Hinsicht:

Erstens werden wir an das „Weimarer Dreieck“ erinnert, in diesem besonderen Format arbeiten Frankreich, Polen und Deutschland nunmehr ebenfalls seit fast 25 Jahren erfolgreich zusammen. Ich freue mich sehr, dass der polnische Außenminister Dr. Witold Waszczykowski und sein deutscher Kollege Dr. Frank-Walter Steinmeier in der Erklärung, die sie vor einer Woche im Rahmen der Regierungskonsultationen abgeben haben, ausdrücklich zum Weimarer Dreieck Stellung genommen haben und ihm einen neuen Impuls geben wollen.

Zweitens befinden wir uns hier in einem Kirchengebäude, das unter dem preußischen König Friedrich I. für die aus Frankreich gekommenen Hugenotten erbaut worden ist. Die Eingliederung der Hugenotten in den preußischen Staat ist ein frühes Beispiel dafür, worum es bei Minderheitenpolitik heute gehen muss: Nicht um Assimilation, sondern um Integration, also um Teilhabe am politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben, bei gleichzeitigem Erhalt der religiösen, sprachlichen und kulturellen Eigenheiten. Deshalb war es richtig und wichtig, dass unsere beiden Außenminister auch diese Fragen in ihre genannte gemeinsame Erklärung aufgenommen haben, ich darf wörtlich zitieren:

„Die deutsche Minderheit in Polen und die in Deutschland ansässigen Polen und polnischstämmigen Menschen bleiben wichtige Teilnehmer des Dialogs zwischen unseren Gesellschaften. Die Regierungen beider Länder sollen danach streben, dass die beiden Personengruppen so behandelt und unterstützt werden, wie es der Vertrag vorsieht, insbesondere im Bereich des Sprachunterrichts. Der 2010 von den Regierungen beider Länder ins Leben gerufene Runde Tisch zur Förderung der Belange dieser Gruppen ließ neue wertvolle Projekte einleiten, die im Geiste der Verpflichtungen aus dem Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit stehen. Wir möchten, dass die Situation der deutschen Minderheit in Polen und der in Deutschland ansässigen Polen und polnischstämmigen Menschen weiterhin das besondere Interesse beider Regierungen genießt.“

Wenn Sie nachher den Saal verlassen, werden Sie an der Außenwand dieses Gebäudes auf einer Tafel einen Auszug aus dem Potsdamer Edikt von 1685 finden, das in der allerbesten Tradition christlicher Barmherzigkeit gegenüber Fremden und Migranten steht. Der preußische König Friedrich Wilhelm tut darin mit Blick auf die Flüchtlinge und Vertriebenen aus Frankreich kund:

„…dass wir dannenher aus gerechtem Mitleiden bewogen werden, denselben eine sichere und freie Retraite in alle unsere Lande und Provincen in Gnaden zu offeriren“.

Ganz in diesem Sinne haben Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und Ministerpräsidentin Beata Szydło bei den Deutsch-Polnischen Regierungskonsultationen am 22. Juni deutlich gemacht, dass die Gespräche am Runden Tisch zur Förderung der Auslandpolen und polnischstämmigen Menschen in Deutschland und der deutschen Minderheit in Polen nach dem Sommer fortgesetzt werden sollen. Seit Anfang 2014 vertreten der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Herr Dr. Günter Krings, und ich die deutsche Seite am Runden Tisch. Wir beide werden diesem Auftrag beherzt und engagiert nachkommen. Wir haben daher die beiden polnischen Ko-Vorsitzenden am Runden Tisch nach Berlin eingeladen, um uns auf das weitere Vorgehen zu verständigen.Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit mit unseren polnischen Kollegen.

Eines der in der Gemeinsamen Erklärung genannten, durch den Runden Tisch eingeleiteten guten Projekte ist die Sanierung des Hauses Dom Polski in Bochum. Aus dem Haushalt der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien – die übrigens auch den heutigen Abend mitfördert – werden Mittel in Höhe von 600.000 Euro bereitgestellt, das Land Nordrhein-Westfahlen unterstützt mit Mitteln seiner Landesstiftung in Höhe von gut 300.000 Euro. Ein Nutzungskonzept zwischen dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe und dem Bund der Polen ist zwischenzeitlich abgestimmt. Das Vorhaben wird also bald konkrete Formen annehmen.

Auf der kulturellen Festveranstaltung der Konvents der polnischen Organisationen am heutigen Abend fühle ich mich an das Kulturfestival erinnert, das die Deutsche Minderheit in Polen im September letzten Jahres in Breslau / Wrocław organisierte und für das die Außenminister beider Länder, Dr. Frank-Walter Steinmeier und Grzegorz Schetyna die Schirmherrschaft übernommen hatten.  Kulturveranstaltungen sind offensichtlich besonders gut geeignete Formen, mit der übrigen Gesellschaft in einen Dialog zu treten. Ich möchte an dieser Stelle auch gegenseitige Einladungen und Besuche anregen. Ich habe meine Ansprache damals in Breslau mit einem Vers von Joseph von Eichendorff, dem die deutsche und die polnische Kultur gleichermaßen am Herzen lag, geschlossen, den ich gerne auch heute Abend zitieren möchte:

„Habe ich nicht den Mut,

besser zu sein als meine Zeit,

so mag ich zerknirscht das Schimpfen lassen,

denn keine Zeit ist durchaus schlecht.“

In diesem Sinne lassen Sie uns gemeinsam arbeiten für „weiterhin gute Zeiten“ in den deutsch-polnischen Beziehungen.

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