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Flucht und Vertreibung umfassend dokumentiert / Vertriebenenpräsidentin Steinbach besuchte Lastenausgleichsarchiv in Bayreuth
3. September 2009
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Besuch im Lastenausgleicharchiv

Bayreuth. Der umfangreiche Bestand des Lastenausgleichsarchivs in Bayreuth soll schon bald unter dem Dach der neuen Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Entsprechende Initiativen kündigte die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV) am Mittwoch bei einem Besuch des Bundeslastenausgleichsarchivs in Bayreuth an. Archivdirektor Ulrich Ringsdorf bezifferte dabei die Kosten für eine zeitnahe Realisierung dieses Vorhabens auf rund 1,2 Millionen Euro. Gemessen an der Bedeutung eines solchen Schrittes sei dies ein überschaubarer Kostenaufwand, sagte der parlamentarische CSU-Landesgruppengeschäftsführer und Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, auf dessen Einladung BdV-Präsidentin Steinbach in das Bundesarchiv gekommen war.

Besuch des Lastenausgleichsarchivs

Nach den Plänen Steinbachs soll künftig nicht nur von dem geplanten Erinnerungs- und Dokumentationszentrum zu Flucht und Vertreibung auf das Bayreuther Archiv zugegriffen werden können, sondern auch online. Damit könnte jeder Interessierte den wahren Schatz an Material, der in Bayreuth vorhanden ist, einsehen“, sagte die BdV-Präsidentin. Dadurch würde aber auch ein wichtiger kulturpolitischer Akzent gesetzt, so Koschyk, der lange Jahre als Generalsekretär des Bundes der Vertriebenen tätig war. Bei den Materialien gehe es um Dokumente, die die Schicksale von Millionen Menschen betreffen. Um die Erinnerung an Flucht und Vertreibung wach zu halten, sollte der Bayreuther Bestand der Öffentlichkeit auch online zugänglich gemacht werden.

Weit über drei Millionen Akten auf 36 Regalkilometern, 22 Millionen Karteikarten des kirchlichen Suchdienstes, rund 350000 Fotografien und 8000 historische Landkarten dokumentieren in Bayreuth von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen eindrucksvoll ein dunkles Kapitel der Geschichte. Das Archiv beeindruckt nicht nur durch diese Zahlen, sondern auch durch seine weitreichende Bedeutung für die Geschichtsschreibung ganz Deutschlands. „Wir dokumentieren mit einer Masse von Schriftgut das geschichtliche Ereignis von Flucht und Vertreibung“, erläuterte Archivdirektor Ringsdorf.

Der sperrige Name Lastenausgleicharchiv kommt nach den Worten Ringsdorfs von den derzeit etwa 3,2 Millionen Akten aus dem so genannten Lastenausgleich. Dabei handelt es sich um die Unterlagen von Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, die Ausgleichszahlungen erhalten hatten. In den Akten enthalten seien unter anderem Grundbuchauszüge, Pläne und Fotos, die sämtliche Besitz- und Lebensverhältnisse der Menschen umfassend dokumentieren. „Eigentlich müsste unsere Einrichtung Bundesarchiv für Flucht und Vertreibung heißen“, sagte Ringsdorf, denn mit dem Namen Lastenausgleichsarchiv könnten die wenigsten Menschen etwas anfangen.

Zweiter wesentlicher Baustein der Archivarbeit seien die Heimat- und Ortskarteien der Kirchen aus dem ehemaligen Ostpreußen, Pommern, Ober- und Niederschlesien sowie einiger anderer Gebiete. Der Archivleiter gab zu bedenken, dass 1945 jeder fünfte Deutscher ein Suchender oder ein Gesuchter gewesen sei und noch heute jeder vierte Oberfranke einen Vertreibungshintergrund habe. Mit den Karteikarten besitze das Archiv eine Art Einwohnermeldeamt des ehemaligen deutschen Ostens. Neben den genannten Dokumenten beherbergt das Archiv außerdem auf rund 10000 Zeitzeugenberichte, 18000 Fragebögen und 6000 Berichte von Amtsträgern wie Kirchenmännern, Lehrern oder Bürgermeistern. Sie alle haben eines gemeinsam, sie spiegeln die Situation der Flüchtlinge und Vertriebenen detailliert wider.
Das Lastenausgleichsarchiv hatte 1989 seine Arbeit in Bayreuth aufgenommen und 1996 sein jetziges Domizil in den Räumen des ehemaligen Städtischen Krankenhauses bezogen. Dort und in einem angrenzenden Archivneubau wird das gesamte Schriftgut auf einer Fläche von fast 6000 Quadratmeter unter klimatisch optimalen Bedingungen archiviert.

BdV-Präsidentin Steinbach sprach nach ihrem Besuch von einer phänomenalen Sammlung und einer wahren Fundgrube, die sich mit dem riesigen Archiv in Bayreuth befinde. Sie kündigte außerdem an, die aktuelle Ausstellung des Bundes der Vertriebenen zur Siedlungsgeschichte der Deutschen nach Bayreuth zu bringen und in den Räumen des Archivs zu zeigen.

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