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Flüchtlingsproblematik: „Belastbarkeit ist nicht unendlich“ / Ungarischer Superminister Zoltan Balog beim 12. Bayreuther Kulturgespräch
22. August 2015
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Die europäischen Staaten sollten vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingswelle alles tun, um Rassismus und Fremdenhass zu bekämpfen. Dies könne aber nicht auf eine unbegrenzte Aufnahme hinauslaufen. Das sagte der ungarische Minister Zoltan Balog beim 12. Bayreuther Kulturgespräch des Bundestagsabgeordneten und Bundesbeauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk.

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Die Integrationskraft werde schwächer, die Herausforderungen würden größer, sagte Balog, der unter anderem in Deutschland Theologie studiert hatte und der in seiner Heimat als Pastor tätig war. Heute ist Balog als Minister für Humanressourcen neben der Kultur auch für die Bereiche Gesundheit, Soziales, Jugend, Bildung und Sport zuständig.

Die Migration habe mittlerweile ein Ausmaß erreicht, bei dem die Gefahr besteht, dass etwas aus den Fugen gerät. Wirtschaftlich sei Europa stark genug zur Integration der großen Flüchtlingsströme, politisch wahrscheinlich auch, aber kulturell sei es fraglich, ob die Integration gelingt. „Die Belastbarkeit der Menschen ist nicht unendlich“, sagte der Minister. Er sagte aber auch, dass wir als Christen gefordert sind, Notleidenden zu helfen. Glaube und Liebe könnten auch in totaler Ausweglosigkeit zur Hoffnung führen.

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Vor dem Hintergrund der Flüchtlingsströme müssten viele Menschen aber auch lernen, Vielfalt als Wert und nicht als Belastung zu begreifen. Deshalb sollte man sich des Eigenen bewusst machen, nur dann könne man dem Fremden stark begegnen. Notwendig dazu seien zwei Dinge: Sensibilität und Bildung. Darüber hinaus sei die Europäische Union auch gefordert, alles zu tun, um die Bedingungen in den Heimatländern der Flüchtlinge zu verbessern.

Den österreich-ungarischen Komponisten und Pianisten Franz Liszt hatte Balog zuvor als echten Kosmopoliten bezeichnet, dessen Stärke die ungeheure Vielfalt seines Stils war. Franz Liszt wurde im damals ungarischen, heute österreichischen Raiding geborgen und war 1886 in Bayreuth verstorben. Liszt habe seine Heimat in Ungarn gefunden, aber zeitlebens europäische Vielfalt verkörpert.

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Zuvor hatte Hartmut Koschyk den ungarischen Minister vor zahlreichen Kulturschaffenden als einen der profiliertesten Politiker seines Landes bezeichnet. In Deutschland würde man Zoltan Balog als Superminister bezeichnen, so Koschyk. Immerhin verwalte Balog über 50 Prozent des ungarischen Haushaltsbudgets. Koschyk würdigte auch, dass Ungarn im Jahr 2012 einen eigenen nationalen Feiertag zum Gedenken an die Vertreibung der Ungarndeutschen eingeführt hat, der alljährlich am 19. Januar begangen wird.

Zur Flüchtlingsproblematik sagte Koschyk, dass es nur eine europäische Antwort geben könne. „Wir sind nicht in der Lage, die Probleme nationalstaatlich zu lösen. Auch Koschyk sprach von Herausforderungen in einer ganz neuen Dimension. Um sie zu lösen benötige es auch religiöse und kulturelle Ansätze.

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Das 12. Bayreuther Kulturgespräch wurde von dem Pegnitzer Recyclingunternehmen Belland Vision und von dem Bayreuther Dienstleisters für kartengestützte Kundenbindungssysteme VVS Holding ermöglicht. Für die musikalische Ausgestaltung sorgte vor dem Sonnentempel der Eremitage das Turkmenische Streicherensemble unter der Leitung von Rasul Klychev unter anderem mit Werken von Benjamin Britten, Fritz Kreisler und Leroy Anderson. Das Ensemble nimmt derzeit am 65. Festival Junger Künstler in Bayreuth teil.

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