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Zwischen Chemie und Kunst: Nobelpreisträger Roald Hoffmann an der Universität Bayreuth ausgezeichnet
6. Mai 2011
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Stiftungsratsvorsitzender Heinz Hoffmann und Staatssekretär Hartmut Koschyk (von links) sowie Hartmut Frank von der Universität Bayreuth und Vizepräsident Hans Werner Schmidt (von rechts) haben den früheren Chemie-Nobelpreisträger Roald Hoffmann mit dem Otto-Warburg-Preis ausgezeichnet

In Anerkennung seiner „grundlegenden und bahnbrechenden Arbeiten“ in der angewandten theoretischen Chemie und seiner Beiträge zur Förderung einer „Weltkultur durch die Verbindung von Wissenschaft mit Theater und Lyrik“ ist der ehemalige Chemie-Nobelpreisträger Roald Hoffmann am Donnerstag an der Universität Bayreuth mit dem Otto-Warburg-Preis ausgezeichnet worden.

Die vom Bayreuther Universitätsverein verwaltete Otto-Warburg-Chemie-Stiftung fördert alljährlich Gastvorträge bekannter Chemiker bei der nach ihr benannten Vorlesungen und stattet den jeweils eingeladenen Referenten mit einem Preisgeld aus. Mit Roald Hoffmann von der Cornell Universität in Ithaca im US-Bundestaat New York erhielt den Preis in diesem Jahr ein Wissenschaftler, der nicht nur wegen seines Fachwissens sondern auch aufgrund seines Engagements für die Einhaltung ethischer Grundsätze in der Wissenschaft weltbekannt wurde. Hoffmann hatte 1981 zusammen mit dem Japaner Kenichi Fukui den Nobelpreis für Chemie für die von beiden unabhängig voneinander entwickelten Theorien zum Verlauf chemischer Reaktionen erhalten.
Finanz-Staatssekretär Hartmut Koschyk würdigte bei der Feierstunde Roald Hoffmann als außergewöhnliche Persönlichkeit, die sich in vielfältiger Art und Weise den Grundfragen der menschlichen Existenz gewidmet habe. Hoffmann habe sich ein Leben lang mit dem Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichem und ethischen Handeln beschäftigt, sein zentrales Thema sei stets die Verantwortung des Wissenschaftlers gewesen.

„Egal ob man ein Gewehr macht oder ein Molekül, ein Gemälde oder ein Gedicht, man sollte immer fragen: Könnte ich damit jemandem Schaden zufügen?“, lautet Roald Hoffmanns eindringlicher Appell. Zusätzlich zu seinem Vortrag über „Ethik in der Wissenschaft“ wurde in Bayreuth auch das von ihm geschriebenes Theaterstück mit dem Titel „Hätte man bloß!“ aufgeführt. Darin diskutiert eine zerstrittene Familie den Selbstmord des toten Familienoberhauptes, der als Chemiker ein tödliches Nervengift entwickelt hat, das in die Hände von Kriminellen gelangt ist.

„Wir verfolgen in unseren Workshops einen breiten Ansatz, der speziell die ethische Verantwortung des Forschers einbezieht“, so Professor Hartmut Frank von der Universität Bayreuth. „Entscheidungen basieren nun mal nicht nur auf Technik, sie haben auch eine ethische Dimension.“ Vor 20 Jahren trafen sich Frank und Hoffmann zum ersten Mal in Australien. Beide verbinde die Einsicht, dass Freiheit und Verantwortung untrennbar zusammengehören.

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Finanzstaatssekretär Koschyk im Gespräch mit dem Chemie-Nobelpreisträger Roald Hoffmann

Roald Hoffmann wurde 1937 im damals polnischen, heute ukrainischen Zloczow geboren. Er stammt aus einer jüdischen Familie, die nach ihrer Flucht 1949 in die USA ausgewandert war. Nach Studium und Promotion an der Harvard Universität erhielt Hoffmann 1965 einen Lehrstuhl an der Cornell Universität in Ithaca im US-Bundesstaat New York, an der er noch heute lehrt. Die Otto-Warburg-Stiftung ist nach dem Sohn des lange in Bayreuth lebenden Physikers Emil-Warburg benannt. Otto Warburg wurde als Chemiker bekannt und war 1931 für den Nobelpreis nominiert.

Zum Grußwort von Herrn Parlamentarischen Staatssekretär Koschyk gelangen sie hier.

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