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Potential kleiner deutscher Minderheiten erkennen, nutzen und vernetzen!
13. Oktober 2017
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Besuch in der Begegnungsstätte des Vereins „Einung“, dem Verband der Deutschen Minderheit in Georgien

Neben Ländern in Mittel- und Osteuropa, in denen auch heute noch zahlreiche Angehörige der Deutschen Minderheit leben, wie beispielsweise in Polen, Ungarn, Rumänien oder Russland, gibt es auch Länder, in denen sich heute nur noch eine verschwindend geringe Zahl an Deutschen finden lässt. Aufgrund ihrer „Kleinheit“ sind diese meist aus dem Blickfeld der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden.

Kaum jemanden ist beispielsweise bewusst, dass man in diesen Tagen den 200. Jahrestag deutscher Auswanderung in den Kaukasus in Georgien und Armenien gedachte und zu diesem Anlass der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk MdB, beide Länder mit hervorragender Unterstützung durch die beiden Deutschen Botschaften in Tiflis und Eriwan bereiste.

An beiden Ländern können wir beispielhaft das Potential kleiner deutscher Minderheiten festmachen, dass es zu erkennen, nutzen und zu vernetzen gilt!

Die Deutsche Minderheit in Georgien ist im regionalen Vergleich eher klein. Bei der Volkszählung 2014 gaben laut georgischen Statistikamt lediglich 438 Personen ihre Volkszugehörigkeit als deutsch an. Die „Assoziation der Deutschen Georgiens — Einung“ schätzt die Größe der Deutsche Minderheit in Georgien demgegenüber auf 2.500 Personen, davon ca. 1.000 Aktive, was jedoch zu hoch gegriffen sein dürfte.

Viele, gerade viele jüngere Leute, sind nach Russland oder Deutschland ausgewandert. Viele Angehörige der Deutschen Minderheit sind aus wirtschaftlicher Not gezwungen, mehrere Arbeitsstellen zu haben oder neben Studium oder Schule zu arbeiten. Aus diesem Grund bleibt diesen auch nur wenig Zeit für eine ehrenamtliche Tätigkeit für die deutsche Selbstorganisation.

Diese missliche Lage, in der sich die Deutschen in Georgien oftmals befinden, sollte uns vor Augen führen, dass nicht nur die großen und starken Selbstorganisationen deutsche Hilfe verdienen, sondern gerade die kleinen Gemeinschaften unterstützt und gestärkt werden müssen. Dabei müssen nicht alle Hilfestellungen aus Deutschland kommen. Wichtig ist auch der Austausch zwischen den einzelnen Minderheiten in Europa und den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion. Dabei sollten die großen Selbstorganisationen, die bereits über viel Erfahrung im Umgang mit deutschen Fördermitteln und Mittlerorganisationen verfügen, die kleinen Organisationen unterstützen. Bundesbeauftragter Koschyk hat daher den Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten und Vorsitzenden des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen, Bernard Gaida und die Leiterin des AGDM-Koordinierungsbüros in Berlin, Renata Trischler, gebeten, ihn auf seiner Reise in den Kaukasus zu begleiten, um Möglichkeiten der Unterstützung für die Deutschen aus Georgien auszuloten.

Ebenfalls wurde Bundesbeauftragter Koschyk vom BMI-Referatsleiter Dr. Alexander Schumacher und vom Innenpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Stephan Mayer MdB, bei seiner Reise in den Kaukasus begleitet. Im November werden Mitarbeiter des Bundesinnenministeriums nach Tiflis reisen um mit den Vertretern der deutschen Minderheit zu besprechen, wie die Hilfe aus Deutschland künftig besser organisiert werden kann. Auch gilt es festzustellen, ob die bisherigen Hilfen richtig eingesetzt werden.

Von großer Bedeutung ist auch die Zusammenarbeit mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche, die die Deutschen in Georgien von Anfang an mitgeprägt haben. Es war daher auch von großer Symbolik, dass ein Teil der Feierlichkeiten zum 200. Jahrestag der deutschen Besiedlung des Kaukasus zusammen mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Georgien organisiert wurde. Beispielhaft fand im Beisein von Bundesbeauftragten Koschyk in der ehemaligen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bolnisi (ehemals Katharinenfeld) gemeinsam mit dem Bischof der Evang.Luth. Kirche in Georgien, Hans-Joachim Kiderlen, ein Gedenkgottesdienst statt.

In diesem Jahr wird auch der 25. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Georgien sowie mit Armenien begangen. Deutschland war das erste Land, das Georgien nach der Unabhängigkeit 1992 anerkannte und in Tiflis eine Botschaft eröffnete. Diese besonders enge und freundschaftliche Beziehung zwischen Deutschland und Georgien mag auch an dem großen Beitrag Präsident Schewardnadses zur deutschen Wiedervereinigung in Frieden und Freiheit liegen. Dies ist in Deutschland bis heute unvergessen. Die beiden Jubiläen waren der Anlass, 2017 zum Deutsch-Georgischen Jahr auszurufen, das mit zahlreichen Veranstaltungen in beiden Ländern gefeiert wird. Deutschland ist derzeit sechstgrößter Handelspartner Georgiens. Das deutsch-georgische Handelsvolumen lag 2015 bei 454 Millionen, davon 361 Millionen Euro Importe aus Deutschland. In Georgien sind etwa 230 deutsche Firmen vor allem mit Vertriebsbüros präsent. Zur Vertiefung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen trägt wesentlich die 2007 gegründete Deutsche Wirtschaftsvereinigung (DWV) bei, der gegenwärtig etwa 130 in Georgien tätige Unternehmen angehören. Seit 2013 betreut die DWV auch den armenischen Markt.

Dies vor Augen sollte uns verdeutlichen, welch großes Potential in der deutschen Minderheit liegt, und zwar nicht nur als „politischer Brückenbauer“ im Hinblick auf die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern. Durch eine gezielte Sprach- und Kulturförderung der deutschen Minderheit könnte auch deren Potential als „wirtschaftlicher Brückenbauer“ zwischen unseren beiden Ländern nachhaltig gestärkt werden!

Im Vergleich zu Georgien ist für Armenien Deutschland sogar der wichtigste Handelspartner innerhalb der EU. Weltweit steht Deutschland als Exporteur nach Armenien an dritter Stelle hinter Russland und China.

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Im Begegnungszentrum der „Teutonia“ in Eriwan

Wie in Georgien gibt es auch in Armenien nur noch wenige Angehörige der deutschen Minderheit, deren Potential gezielt erkannt, genutzt und vernetzt werden sollte. Die Selbstorganisation der Deutschen in Armenien „Teutonia“ ist heute in Deutschland nahezu unbekannt und erhält keine Hilfe von deutscher Seite. Das Beispiel Armenien kann wie Georgien herangezogen werden, um aufzuzeigen, dass nicht alle Hilfestellungen allein aus Deutschland kommen müssen und wie wichtig der Austausch zwischen den einzelnen Minderheiten in Europa und den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion ist. Der Vorsitzende des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur aus Russland, Heinrich Martens, und die Erste Stellvertretende Vorsitzende des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur aus Russland, Olga Martens, haben Bundesbeauftragten Koschyk zugesagt, Möglichkeiten der Unterstützung für die Deutschen in Armenien auszuloten.
In diesem Zusammenhang wäre es sehr zu begrüßen, wenn sich die deutsche Minderheit in Armenien für eine Mitgliedschaft in der Föderalistischen Union europäischer Nationalitäten (FUEN) entschließen könnte. Unter dem Dach der FUEN ist auch die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten (AGDM) organisiert. Mit Blick auf die AGDM-Jahrestagung 2018, an der jeweils auch ein Jugendvertreter teilnehmen kann, sollte neben der georgischen „Einung“ auch die die armenische „Teutonia“ teilnehmen. Durch die Teilnahme könnten die Kontakte gerade dieser beiden kleinen deutschen Minderheiten, die hier stellvertretend für all die noch existierenden kleinen deutschen Gemeinschaften stehen, über die jeweilige Landesgrenze hinaus gepflegt und Netzwerke gebildet werden!

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Gemeinsam mit Botschafterin Julia Monar konnte sich Bundesbeauftragter Koschyk bei einem Besuch im Deutschen Kultur- und Begegnungszentrum „Hoffnung“ in Kischinau von der aktiven Arbeit der Deutschen Minderheit in der Republik Moldau überzeugen

Trotz ihrer verschwindend geringen Anzahl, sollten wir auch den kleinen deutschen Gemeinschaften unser Augenmerk schenken und deren Potential erkennen, nutzen und vernetzen. In diesem Sinne hat der Bundesbeauftragte Koschyk in diesem wie im letzten Jahr die kleineren deutschen Minderheiten in Europa besucht, etwa in Estland, Lettland, in Slowenien, Kroatien und Serbien sowie in der Republik Moldau.

Auch diese kleinen deutschen Minderheiten und deren Siedlungsgebiete sind Teil unseres kulturellen Erbes in Europa und der ehemaligen Sowjetunion. Zum anderen sind aber gerade die Angehörigen kleiner deutscher Minderheiten als „Brückenbauer“ von umso größerer Bedeutung für unsere von Freundschaft und Partnerschaft getragenen bilateralen Beziehungen zu all den Ländern, in denen diese bis heute noch leben!

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