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Neonazis in Gräfenberg: Grenze der Belastbarkeit erreicht / Politik und Kirche im Gespräch
25. August 2009
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Koschyk Bär Gräfenberg Dekanat

Mit einer großformatigen Fotografie des Berliner Reichstagsgebäudes bedankten sich die stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär (rechts) und der parlamentarische CSU-Landesgruppengeschäftsführer Hartmut Koschyk bei der Gräfenberger Dekanin Christine Schürmann für ein ausführliches Gespräch.

Gräfenberg – Die Stadt Gräfenberg im Landkreis Forchheim hat von den regelmäßigen Neonazi-Aufmärschen die Nase voll. „Die Grenze der Belastbarkeit ist erreicht“, sagte Dekanin Christine Schürmann bei einem Besuch der stellvertretenden CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär und des parlamentarischen Landesgruppengeschäftsführers und örtlichen Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk. Mittlerweile würden die zahlreichen Neonazi-Aufmärsche das öffentliche Leben immer stärker beeinträchtigen. Dekanin Schürmann berichtete von Störungen bei Hochzeitsfeiern und selbst bei Beerdigungen. Auch am Heiligen Abend habe die NPD sogar schon einmal einen Marsch durch den Ort veranstalten wollen. „Die Bürger werden in ihrem Widerstand nur dann einen langen Atem haben, wenn sie sehen, dass sie auch politisch unterstützt werden“, wandte sich die Dekanin an die beiden Politiker.
MdB Koschyk, der bereits bei Gegenkundgebungen als Redner aufgetreten ist, kündigte an, sein Engagement gegen die Neonaziaufmärsche in Gräfenberg verstärkt fortzusetzen. Auch das Anrecht beispielsweise auf ungestörte Trauerfeiern sei ein Menschenrecht, das es zu schützen gilt. Auftrag der Politik sollte es deshalb sein, die Rahmenbedingungen so zu verändern, dass das Vorgehen für rechtsextreme Gruppierungen immer schwieriger wird. So sei es etwa in Wunsiedel im Fichtelgebirge gelungen, ein Verbot durchzusetzen. Ebenso sei zusammen mit dem Freistaat in Warmensteinach eine gute Lösung gefunden worden. Als guten Ansatz wertete es Koschyk, dass bereits Mittel aus dem Bundesprogramm zur Bekämpfung des Rechtsextremismus für den Kreisjugendring Forchheim zur Präventionsarbeit bereitgestellt worden seien. Helfen könnte auch das von vielen Bürgern in Gräfenberg geforderte NPD-Verbot. Allerdings müsse dies so vorbereitet werden, dass es auch um jeden Preis erfolgreich ist. „Noch einmal können wir uns eine Schlappe vor dem Bundesverwaltungsgericht nicht leisten.“
Koschyk wertete es als Revanche für das Verbot in Wunsiedel, dass sich die Neonazis ausgerechnet das Kriegerdenkmal in Gräfenberg als ihren Wallfahrtsort ausgesucht haben. Mit ihrer Politik der kleinen Nadelstiche wollten die Neonazis zeigen, wie weit man in einem Rechtsstaat gehen könne. Die stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär nannte genau die Tatsache so bedrückend, dass ausgerechnet die Gegner der Demokratie alle ihre Freiheiten ausnutzen. Dekanin Schürmann appellierte außerdem an die beiden Politiker, auf alle Beteiligten des Bürgerprotests dahingehend einzuwirken, dass auch wirklich alle Gruppierungen Hand in Hand arbeiten. Es dürfe nicht sein, dass sich einzelne Parteien ausklinken, weil etwa Teile der Antifa-Bewegung ebenfalls gegen die Neonazis Flagge zeigen. Hier gebe es manchmal zu viel Rechts-Links-Denken. Vielmehr seien alle relevanten Gruppen aufgerufen, die Gräfenberger Bürger zu unterstützen.
Mit Sorge äußerte sich Dekanin Schürmann am Rande des Gesprächs auch über die Tatsache der ansteigenden Kirchenaustrittszahlen im Kirchenkreis Nürnberg, zu dem Gräfenberg gehört. Dies stehe im starken Widerspruch zum wachsenden Interesse an Glaube und Kirche in der Gesamtgesellschaft. Auch würden viele Menschen gerade vor dem Hintergrund der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise wieder Sicherheit suchen und beispielsweise der Familie wieder einen höheren Stellenwert einräumen.

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