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Oberfränkische Wirtschaft erweist sich trotz Krise stabil / Wirtschaftsgespräch: Kammern blicken überaus optimistisch in die Zukunft
3. August 2010
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Die oberfränkische Wirtschaft ist vergleichsweise gut über die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise hinweggekommen. Darin sind sich die Hauptgeschäftsführer der beiden Wirtschaftskammern Horst Eggers (HWK) und Hans Trunzer (IHK) einig. „Die Finanzkrise hat sich in der Region weniger dramatisch ausgewirkt, als zunächst befürchtet wurde“, sagte Trunzer bei einem Wirtschaftsgespräch am Montagabend in Bayreuth. „Auch die Handwerkskonjunktur läuft so gut wie selten“, so Eggers.

Wirtschaftsgespräch 1
„Die oberfränkische wirtschaft ist vergleichsweise gut durch die Krise gekommen“ (von links): Professor Bernhard Herz von der Universität Bayreuth, Staatssekretär Hartmut Koschyk, HWK-Hauptgeschäftsführer Horst Eggers und IHK-Hauptgeschäftsführer Hans Trunzer.

Trotz der positiven Nachrichten aus der oberfränkischen Wirtschaft sei aber die Euro-Krise noch nicht gemeistert, warnte der Parlamentarische Finanzstaatssekretär und Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk. Wenn der Stabilisierungs- und Wachstumspakt der Bundesregierung jetzt nicht neu angespitzt werde, laufe man Gefahr, in eine neue Krise hineinzugeraten.
Während bei der Konjunkturumfrage noch vor einem Jahr die Kurve steil nach unten gezeigt hatte, liege Industrie und Handel in Oberfranken schon jetzt weit über den Ergebnissen des konjunkturellen Aufschwungs von 2000 bis 2003, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Trunzer. Auch vom Arbeitsmarkt kämen erfreuliche Nachrichten: so sei die Arbeitslosenzahl in Oberfranken binnen Jahresfrist von 5,5 auf 4,8 Prozent gesunken und die Investitionsneigung der Unternehmen im Regierungsbezirk sei so hoch wie schon lange nicht mehr. Als Erklärung für all die guten Nachrichten nannte Trunzer den relativ hohen Konsumgüteranteil, die Steigerung der Exporte binnen Jahresfrist von 40 auf 45 Prozent hauptsächlich in EU-Länder und die ausgeprägte mittelständische Struktur mit vielen eigentümergeführten Betrieben, die sich in der Krise als absolut stabil bewiesen hätten.

Wirtschaftsgespräch 2

Aus den gleichen Gründen seien auch beim Handwerk schmerzhafte Einbrüche ausgeblieben, sagte HWK-Hauptgeschäftsführer Eggers. Wirtschaftliches Handeln sei im Handwerk schon immer mit gesellschaftlicher Verantwortung verbunden gewesen. Gewinn und Verlust hätten schon immer genauso eng zusammengehört, wie Verantwortung und Haftung. Maßgeblich mit verantwortlich für die positive Ausgangsposition seien unter anderem die Konjunkturpakete der Bundesregierung und das energetische Gebäudesanierungsprogramm. Trotz einer zwingend notwendigen Haushaltskonsolidierung, seien aber auch weiterhin Entlastungen notwendig. „Schuldenabbau wird nicht ohne weiteres Wirtschaftswachstum funktionieren“, sagte Eggers. Er rief die Bundesregierung auf, „intelligent“ zu sparen und die Bereiche Bildung, Klimaschutz und Infrastrukturmaßnahmen nicht anzutasten.
Die Bundesregierung habe die Bildung fest im Blick, versprach Staatssekretär Koschyk. Insgesamt werde an den Konsolidierungsbemühungen aber kein Weg vorbei führen. Sparen, ohne dass es jemand bemerkt, sei nicht möglich. Koschyk gab auch zu bedenken, dass die derzeitige Gesamtverschuldung des Bundes in Höhe von 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts damit zusammenhängt, dass der Weg aus der Krise über Schulden finanziert worden sei.
Am Beispiel von Großbritannien machte Professor Bernhard Herz, Vizepräsident der Universität Bayreuth und Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, deutlich, dass es durchaus möglich sei, eine hohe Staatsverschuldung abzubauen und dann auf einem stabilen Level zu bleiben. So sei Großbritannien mit einer Verschuldung von 200 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt nach dem Zweiten Weltkrieg gestartet und liege stabil sei den 1970er Jahren bei nur mehr 50 Prozent. „Es gibt keinen Grund, warum das in Deutschland nicht auch möglich sein soll“, sagte Herz. Was die Wirtschafts- und Finanzkrise angeht, so sprach Herz von einer erstaunlich robusten Situation. Es gebe kaum eine Phase, in der die Unternehmer im Ifo-Geschäftsklimaindex ihre aktuelle Lage optimistischer eingeschätzt hätten als derzeit.

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