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Prinz Asfa-Wossen Asferate von Äthiopien plädierte beim Festakt „50 Jahre Musica Bayreuth“ für mehr Toleranz und interkulturelles Miteinander
8. Mai 2011
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Mit einem Festakt ist am Sonntag der 50. Geburtstag des Festivals „Musica Bayreuth“ gefeiert worden. 1961 als Orgelwoche zur Einweihung der Stadtkirchenorgel gegründet, entwickelte sich die „Musica Bayreuth“ während der vergangenen fünf Jahrzehnte zu einem überregional beachteten Musikfestival. Initiator, Gründer und Leiter der „Musica“ ist seit fünf Jahrzehnten der aus Rothenburg ob der Tauber stammende, in Frankfurt aufgewachsene und lange Zeit an der Musikhochschule in Köln tätige Dirigent und Kirchenmusiker Viktor Lukas. Ihm war es in den zurückliegenden Jahrzehnten nicht nur gelungen, ganz große Namen der Musikwelt wie den Pianisten Wilhelm Kempff, den Cellisten Ludwig Hoelscher oder den Dirigenten Enoch zu Guttenberg für Bayreuth zu gewinnen, auch Aufführungen wie Johann Adolph Hasses Oper „Ezio“ 250 Jahre nach der Uraufführung im Markgräflichen Opernhaus oder der Oper „Argenore“ der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth sorgten sogar international für Aufsehen.

50 J Musica BT 2

Mit einer Gedenkmünze und einem Album mit den aktuellen Sonderbriefmarken zum 200. Geburtstag des Komponisten Franz Liszt zeichnete Staatssekretär Hartmut Koschyk den Gründer und Leiter der „Musica Bayreuth“, Victor Lukas aus. Im Bild von links: Oberbürgermeister Michael Hohl, Viktor Lukas, Prinz Asfa-Wossem Asserate von Äthiopien, Elisabeth Lukas und Staatssekretär Koschyk.

„Wir veranstalten die Musica, weil Musik essentiell zum Leben gehört“, sagte Viktor Lukas, der es in seinem Festival während der zurückliegenden 50 Jahre auf über 500 aufgeführte Komponisten gebracht hatte. Musik sei nicht nur „romantische Poesie für das Ohr“, sondern vermittle auch „eine Ahnung von einer anderen Welt“, zitierte Lukas Jean Paul. Heute sei sogar wissenschaftlich erwiesen, dass Musik der Gewaltprävention dient. Für die Zukunft wünschte sich Lukas unter anderem, dass die Spielstätte Markgräfliches Opernhaus, die derzeit umfassend saniert wird, auch in Zukunft als Aufführungsort für Oper und Konzerte erhalten bleibt.
Eine außerordentlich erfolgreiche Kulturarbeit bescheinigte der Parlamentarische Finanzstaatssekretär und Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk der „Musica“ Viktor Lukas. Es sei alles andere als selbstverständlich, das Musikleben über einen derart langen Zeitraum so maßgeblich mitzugestalten. Koschyk bezeichnete die „Musica“ als bedeutendstes Klassikfestival mit Barockschwerpunkt in Bayreuth und als ernstzunehmenden Kontrapunkt zu den Bayreuther Richard-Wagner-Festspielen. Der Erfolg lasse sich auch in Zahlen ausdrücken: In den fünf Jahrzehnten hätten über 250000 Klassikfreunde die rund 600 Veranstaltungen der „Musica“ besucht.

50 J Musica BT 1

Trotz der vorübergehenden Schließung des Markgräflichen Opernhauses wegen umfassender Sanierungsarbeiten sei es Viktor Lukas gelungen, für die „Musica“ im Jubiläumsjahr ansprechende Aufführungsstätten zu finden, sagte Bayreuths Oberbürgermeister Michael Hohl. Die Vorfreude auf das Opernhaus und die Chance, Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbes zu werden, soll vorerst über den temporären Verlust des Opernhauses hinwegtrösten.

Außergewöhnlicher Redner zum Festakt 50 Jahre „Musica Bayreuth“ war Prinz Asfa-Wossem Asserate von Äthiopien, der Geschichte und Jura in Tübingen und Cambridge studiert und in Frankfurt promoviert hatte, ehe die Revolution in Äthiopien die Rückkehr in die Heimat verhindert hatte. In Deutschland wurde er unter anderem als Bestsellerautor mit seinen Büchern „Ein Prinz aus dem Hause David“ oder „Draußen nur Kännchen“ bekannt. Darin erwies er sich als genauer Kenner der deutschen Kultur und ihrer Ausprägungen.
Prinz Asserate legte mit seinem Festvortrag ein leidenschaftliches Plädoyer für Toleranz, Integration und für das interkulturelle Miteinander vor. Niemand könne heute mehr einer einzigen Kultur zugerechnet werden, sagte er. „Wir alle vereinigen die verschiedensten Kulturgemeinschaften in uns“, so Prinz Asserate. Er gab auch zu bedenken, dass jede große Nation ihren Reichtum in erster Linie aus der Vielfalt kultureller Verschiedenheit schöpfe. Von der Gesellschaft erwartete Asserate ein Mindestmaß an Offenheit, nur dann könne Integration auch gelingen. Er räumte aber auch ein, dass die Beherrschung der Landessprache selbstverständliche Voraussetzung für jede Teilhabe an der Gesellschaft sei.

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