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Von der Hoffnung und der Sehnsucht auf Freiheit – Konzert der Städtischen Musikschule
1. Dezember 2013
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In Bayreuth erklang am Wochenende mit der Polonia-Ouvertüre eine absolute Wagner-Rarität

Bayreuth. Zum Abschluss des Richard-Wagner-Jahres in Bayreuth war es dem Städtischen Musikschulorchester unter der Leitung von Nicolaus Richter gelungen, mit der Polonia-Ouvertüre eine absolute Rarität von Richard Wagner aufzuführen. Dem Ereignis entsprechend platzte der Musikschulsaal aus allen Nähten, ein Großteil der Besucher konnte nur noch einen Stehplatz ergattern oder musste auf den Gängen Platz nehmen. Eigens nach Bayreuth war für die Aufführung auch der polnische Botschafter Jerzy Marganski gekommen, der seit über 20 Jahren enge Verbindungen zur hiesigen Deutsch-Polnischen Gesellschaft und zum Bundestagsabgeordneten und Parlamentarischen Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk pflegt.

Die Polonia-Ouvertüre in C-Dur hatte Richard Wagner 1836 in Berlin geschrieben. Ob die Uraufführung noch unter Wagners Leitung im selben Jahr in Königsberg stattfand ist nicht gesichert, sicher ist dagegen, dass die Ouvertüre am 2. Januar 1905 und damit lange nach dem Tod Wagners in der Queens Hall von London gespielt wurde. Die Anregung zu der Komposition soll Wagner von seinem polenbegeisterten Freund, dem Schriftsteller, Kritiker und Theaterleiter  Heinrich Laube erhalten haben.

Die Aufführung markierte gleichzeitig den Höhepunkt der Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen der Deutsch-Polnischen Gesellschaft in Bayreuth und die Finissage der Wanderausstellung „Frühling im Herbst – Vom polnischen November zum deutschen Mai. Das Europa der Nationen 1830-1832“. Gegenstand der Ausstellung war der polnischen Aufstand im russisch besetzten Teil Polens im November 1830 bis zum Hambacher Fest im Mai 1832, das als Geburtsstunde der deutschen Demokratie gilt.

Hier setzt auch Richard Wagner Polonia-Ouvertüre an. „Ohne Polens Freiheit keine deutsche Freiheit!“ lautet eine der Forderungen des Hambacher Fests, bei dem deutsche Patrioten um mehr Demokratie und Pressefreiheit in deutschen Ländern warben. Sie haben sich dem polnischen Volk verbunden gefühlt, welches gerade im Novemberaufstand 1830/1831 seine politische Freiheit zu gewinnen versuchte – und den Kampf verloren hatte. Nach dem gescheiterten Aufstand mussten viele Polen ins Exil flüchten. Begeistert wurden sie auf ihrem Weg durch einige deutsche Staaten von der Bevölkerung empfangen, worauf eine große Welle der Polenbegeisterung, deren Zeuge auch Richard Wagner in Leipzig wurde, folgte.

Seine Polonia-Ouvertüre ist stark von jenen Ereignissen und Eindrücken geprägt. „Es geht um die Hoffnung, und die Sehnsucht auf Freiheit“, hatte die Vorsitzende des Deutsch-Polnischen Gesellschaft Barbara Sabarth im Vorfeld erläutert. Das knapp 15-minütige Werk beginnt düster, endet aber im Triumph, in der Komposition finden sich auch Motive polnischer Volkslieder jener Zeit wieder.

Die Deutsch-Polnische Gesellschaft (DPG) von Bayreuth wurde im Herbst 2003 gegründet. Zweck und Aufgabe des Vereins ist die Förderung der Verständigung zwischen den Menschen in Polen und Deutschland durch die Pflege zwischenmenschlicher Beziehungen in kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Bereichen. Sämtliche Aktivitäten kommen durch das ehrenamtliche Engagement  und durch Spenden von Mitglieder und Sponsoren zustande, so auch das Konzert in der Musikschule, bei dem außerdem Wagner Festouvertüre zum Neujahrsa sowie die Meistersinger-Ouvertüre in einer Bearbeitung für Jugendorchester und die Ballettmusik „Don Juan von Christoph Willibald Gluck erklangen.

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