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Koschyk: Osterode/Ostróda leuchtendes Beispiel für eine hervorragend funktionierende Zusammenarbeit im Geiste des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages vom 17. Juni 1991
16. Juni 2016
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Kulturreferentin Ulrike Elisabeth Vogt, VDGEM-Vorsitzender Henryk Hoch, der Bürgermeister von Osterode/Ostróda Czesław Najmowicz, Generalkonsulin Cornelia Pieper, Bundesbeauftragter Hartmut Koschyk MdB, VdG-Vorsitzender Bernard Gaida und Amtrat Bastian Bartsch (BMI)

Nach seinem Aufenthalt in Allenstein / Olsztyn besuchte der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk MdB, Schloss Steinort/Pałac w Sztynorcie, besichtigte in Gedenken an das missglückte Attentat vom 20. Juli 1944 auf Hitler die „Wolfsschanze“ (Wilczy Szaniec) und besuchte die Stadt Osterode/Ostróda in der Wojewodschaft Ermland-Masuren/Warmia-Mazury. Begleitet wurde Koschyk erneut vom Vorsitzenden des Verbands der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG), Bernard Gaida, Generalkonsulin Cornelia Pieper, der Kulturreferentin am deutschen Generalkonsulat, Ulrike Elisabeth Vogt und Amtsrat Bastian Bartsch (BMI). Ebenfalls wurde Koschyk begleitet vom Vorsitzenden des Verbandes der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren Henryk Hoch, der zugleich Vorsitzender der „Deutschen Gesellschaft Tannen“ in Osterode/Ostróda ist.

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Schloss Steinort/Pałac w Sztynorcie

Auf Initiative von Generalkonsulin Pieper besichtigte Bundesbeauftragter Koschyk zunächst Schloss Steinort/Pałac w Sztynorcie, welches der Stammsitz derer von Lehndorff in dem damals ostpreußischen Ort Steinort bei Angerburg, heute Sztynort, war. Bereits Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die Familie von Lehndorff, die in der Gegend von Königsberg ansässig war, mit einem großen Stück Land belehnt, welches „Steinorter Wildnis“ hieß. Viele angrenzende Orte gehörten dazu. Ende der 1930er Jahre wurde das Schloss einer grundhaften Sanierung unterzogen.

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1941 wurde in einer Hälfte von Schloss Steinort das Feldquartier von Reichsaußenminister von Ribbentrop eingerichtet, während einen anderen Flügel des Schlosses Heinrich Graf von Lehndorff mit seiner Familie bewohnte. Heinrich Graf von Lehndorff hatte sich heimlich bereits dem Widerstand gegen das NS-Regime angeschlossen und beteiligte sich an der Planung des Attentatsversuchs von Claus Schenk Graf von Stauffenberg auf Hitler am 20. Juli 1944 in der „Wolfsschanze“. Einen Tag nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler wurde von Lehndorff verhaftet, am 3. September durch den Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und am darauf folgenden Tag erhängt. An ihn und weitere Opfer des Nationalsozialismus erinnert die Gedenkstätte Plötzensee in Berlin. 2009 wurde zum 100. Geburtstag von Heinrich Graf von Lehndorff am Schloss Steinort ein Gedenkstein eingeweiht.

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Verschiedene Initiativen aus Deutschland setzen sich dafür ein, Schloss Steinort/Pałac w Sztynorcie denkmalgerecht zu erhalten. Nach einer Sanierung wäre u.a. die Errichtung einer Dokumentationstätte zur Geschichte des Schlosses, aber auch zur Anwesenheit von Reichsaußenminister von Ribbentrop, des Widerstandes gegen das NS-Regime und des Attentats vom 20. Juli 1944, in dessen Planung Graf von Lehndorff einbezogen war, denkbar. Eine Sanierung des Schlosses könnte andererseits auch dazu beitragen die Tourismusregion Steinort/Sztynort nachhaltig zu stärken. Auf Initiative von Generalkonsulin Pieper eruierte Bundesbeauftragter Koschyk in einem gemeinsamen Gespräch mit verschiedenen interessierten Seiten Möglichkeiten einer Sanierung und einer Nutzung nach einer Instandsetzung und wie man Denkmalschutz, eine mögliche Dokumentationsstätte als Stück europäischer Zeitgeschichte und eine touristische Nutzung miteinander vereinbaren könne.

IMG_0444 (768x1024)2009 wurde zum 100. Geburtstag von Heinrich Graf von Lehndorff am Schloss Steinort ein Gedenkstein eingeweiht

Ende 2009 ist es, vorangetrieben von der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (DPS), gelungen, das Herrenhaus in das Eigentum der polnischen Schwesterstiftung der DPS, der Polsko-Niemiecka Fundacja Ochrony Zabytków Kultury (PNF) zu übertragen. Seitdem konnten beide Stiftungen vor allem mit Fördermitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), des Polnischen Ministeriums für das Nationale Erbe und privaten Spenden aus Deutschland Schloss Steinort/Pałac w Sztynorcie notsichern und damit vor dem Einsturz bewahren.

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Der Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Allenstein, Wojciech Wrzecionkowski, der Militärhistoriker Jaroslaw Zarzecki, Generalkonsulin Cornelia Pieper und Bundebeauftragter Hartmut Koschyk

In Gedenken an das missglückte Attentat vom 20. Juli 1944 auf Hitler besichtigte Bundesbeauftragter Koschyk auch die sogenannte „Wolfsschanze“ (Wilczy Szaniec). Hitler bewohnte die „Wolfsschanze“ mit kurzen Unterbrechungen vom 24. Juni 1941 bis 20. November 1944.

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Gedenken an die polnische Pioniere, die bei der Minenräumung ums Leben kamen

Bei einer sachkundigen Führung durch den Militärhistoriker Jaroslaw Zarzecki, dessen Forschungsergebnisse in dem Buch „Geschichte des Führerhauptquartiers Wolfsschanze“ dokumentiert werden, erklärte dieser anschaulich die Geschichte der „Wolfschanze“ und wies Bundesbeauftragten Koschyk u.a. darauf hin, dass nach Kriegsende zahlreiche polnische Pioniere bei der Minenräumung des sehr stark vermienten Geländes ums Leben kamen.

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Kulturreferentin Ulrike Elisabeth Vogt, VDGEM-Vorsitzender Henryk Hoch, Bürgermeister Czesław Najmowicz, Generalkonsulin Cornelia Pieper, Bundesbeauftragter Hartmut Koschyk MdB, VdG-Vorsitzender Bernard Gaida und Amtrat Bastian Bartsch (BMI)

Im Anschluss an die Besichtigung der „Wolfsschanze“ besuchte Koschyk die Stadt Osterode /Ostróda in der Wojewodschaft Ermland-Masuren/Warmia-Mazury. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Verbandes der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren, Henryk Hoch, der zugleich Vorsitzender der „Deutschen Gesellschaft Tannen“ in Osterode/Ostróda ist, und Bürgermeister Czesław Najmowicz besichtigte Koschyk das „Haus der Deutschen Minderheit“ zu dessen Erwerb der Heimatkreis Osterode finanziell beigetragen hat und dessen Sanierung mitfinanziert wurde durch die „Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit“ aus Mitteln der Bundesrepublik Deutschland.

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Die „Kreisgemeinschaft Osterode Ostpreußen e. V.“, dessen Geschäftsstelle sich in der Stadt Osterode am Harz in Niedersachsen befindet, welche 1952 die Patenschaft für die Heimatvertriebenen aus Osterode im heutigen Polen übernommen hatte, wurde 1950 gegründet. Der Landkreis Osterode am Harz hatte 1953, dem Beispiel der Kreisstadt folgend, auch eine Patenschaft für den Vertriebenenverband „Kreisgemeinschaft Osterode Ostpreußen“ übernommen.

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Jugendliche der deutschen Minderheit boten Bundesbeauftragten Koschyk eine musikalische Darbietung dar

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Das gut eingerichtete „Deutsche Haus“

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Heute besteht ein hervorragendes Verhältnis der Kreisgemeinschaft und ihrer Paten, der Stadt und des Landkreises Osterode am Harz, zu den polnischen Behörden der Stadt und des Landkreises Ostróda, was u. a. in der Unterzeichnung einer Partnerschaftsurkunde, dem regelmäßigen Delegationsaustausch, ständigen Arbeitsbesuchen und der gegenseitigen Teilnahme an Veranstaltungen seinen Ausdruck findet. Am 23. April 1994 wurde schließlich eine Städtepartnerschaft zwischen Osterode am Harz und Ostróda ins Leben gerufen. Am 25. Mai 2001 unterzeichneten Landrat Bernhard Reuter und sein Amtskollege Jan Antochowski in der Burg in Ostróda eine Urkunde, die die Partnerschaft zwischen dem Landkreis Osterode am Harz und dem Kreis Ostróda begründete.

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Die Zusammenarbeit des Heimatkreises sowie der deutschen Minderheit vor Ort mit der Stadt Ostróda sowie die Zusammenarbeit der Städte Osterode im Harz und Osterode/Ostróda in Ermland-Masuren/Warmia-Mazury sei ein leuchtendes Beispiel für eine hervorragend funktionierende Zusammenarbeit im Geiste des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages vom 17. Juni 1991, so Bundesbeauftragter Koschyk.

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Die Rückseite des „Deutschen Hauses“ mit Freiluftbühne / Im Hintergrund die mennonitische Kirche, die mit Unterstützung des Heimatkreises saniert wurde

Wie sehr die vor 25 Jahren mit dem deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag begründete Vision einer freundschaftlichen Zusammenarbeit und eines freundschaftlichen Zusammenlebens vor Ort gelebt wird, belegt beispielsweise auch die Tatsache, dass mit Unterstützung des Heimatkreises die ehemalige evangelische und heutige mennonitische Kirche saniert werden konnte. Die Aufgeschlossenheit für die deutsche Vergangenheit zeigt sich aber auch darin, dass beispielsweise ein polnischer Geschäftsmann das historische Rathaus wieder aufbauen möchte, wobei in einem Teil des Gebäudes in einem Heimatmuseum an die deutsche Vergangenheit des Ortes vor 1945 erinnert werden soll. Das freundschaftliche Miteinander von deutscher Minderheit und polnischer Mehrheitsbevölkerung wird auch dadurch belegt, dass das „Deutsche Haus“ noch niemals Ziel von Anfeindungen war und der Vorsitzende des Verbandes der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren und Vorsitzender der „Deutschen Gesellschaft Tannen“, Henryk Hoch, bereits in der vierten Wahlperiode Mitglied des Stadtrates von Osterode /Ostróda ist.

Zur Internetseite der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (DPS) mit weiterführenden Informationen zu Schloss Steinort finden Sie hier.

Einen Artikel in der heutigen Ausgabe der Tageszeitung „Die Welt“ zu Schloss Steinort und den Besuch von Bundesbeauftragten Koschyk finden Sie hier. 

Weiterführende Informationen zur „Wolfsschanze“ finden Sie hier.

Zur Internetseite der „Kreisgemeinschaft Osterode Ostpreußen“ gelangen Sie hier.

Einen Artikel der Stadt Osterode im Harz: „20 Jahre Städtepartnerschaft Osterode am Harz – Ostróda/Polen“ finden Sie hier. 

Zur Internetseite der Stadt Osterode/Ostróda gelangen Sie hier.

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Osterode/Ostróda

 

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There is 1 comment

  • Burghard Gieseler sagt:

    Sehr geehrter Herr Koschyk
    Für Ihre freundlichen Worte über die Kreisgemeinschaft Osterode Ostpreußen danke ich Ihnen vielmals. Sie haben vollkommen Recht: Das deutsch-polnische Verhältnis in Osterode ist geradezu ideal. Doch das ist nicht von heute auf morgen so gekommen. Viele habe sich um die Aussöhnung verdient gemacht. Besondere Beachtung verdienen die Leistungen von Henryk Hoch. Ebenso die der polnischen Bürgermeister. Auch unsere Kreisgemeinschaft hat ihren Anteil an dieser für den Frieden in Europa so wichtigen Entwicklung.
    Mit freundlichen Grüßen
    Burghard Gieseler, Vorsitzender der Kreisgemeinschaft Osterode Ostpreußen

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