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10 Fragen des Netzwerks Junge Generation Deutschland-Korea an Hartmut Koschyk
10. Januar 2021
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In den deutsch-koreanischen Beziehungen ist Ihr Name sehr bekannt. Können Sie sich, gerade für Neuinteressierte, kurz vorstellen und erläutern wie Sie mit dem Netzwerk Junge Generation Deutschland-Korea verwurzelt sind?

Mein Name ist Hartmut Koschyk, ich bin 1959 in Forchheim/Oberfranken geboren, war Zeitsoldat in der Bundeswehr, habe in Bonn Geschichte und Politische Wissenschaften studiert, war Generalsekretär des Bundes der Vertriebenen und habe von 1990 bis 2017 dem Deutschen Bundestag angehört. Ich bin seit über 30 Jahren mit meiner Frau Gudrun verheiratet, wir haben drei erwachsene Kinder und zwei Enkelkinder. Meine Befassung mit dem Weg von der deutschen Teilung zur deutschen Einheit in zwei Enquetekommissionen des Bundestages hat mich 1998 zur Beschäftigung mit dem geteilten Korea geführt. Als Vorsitzender der Deutsch-Koreanischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages und als deutscher Ko-Vorsitzender des 2002 gegründeten Deutsch-Koreanischen Forums besuche ich regelmäßig Süd-, aber auch Nordkorea. Auch war ich Präsident der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft in Deutschland. Zum Stand und den Perspektiven der Deutsch-koreanischen Beziehungen habe ich drei Bücher herausgegeben.

Das Netzwerk Junge Generation Deutschland-Korea hat in den letzten Monaten viel erreicht. Was war Ihrer Meinung nach der Schlüssel zum Erfolg?

Ich habe mich immer dafür eingesetzt, dass wir die Beziehungen der jungen Generationen in Deutschland und Korea in festere Strukturen einbinden. Auf meine Initiative hin hat der Deutsche Bundestag hierzu auch entsprechende Entschließungen gefasst. Die Stiftung des Preisgeldes des „Seoul Peace Award“ durch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat letztendlich ermöglicht, das „Netzwerk Junge Generation Deutschland-Korea“ zu gründen, das inzwischen auch durch den Einsatz des Deutschen Bundestages von der Bundesregierung gefördert wird. Aus dem Kreis der Alumni des Deutsch-Koreanischen Juniorforums ist eine sehr aktive Kernmannschaft dieses Netzwerkes entstanden, die im Jahr 2020 sehr eindrucksvolle Aktivitäten entfaltet hat. Die Bereitschaft zu konkretem Engagement und die Empathie für die deutsch-koreanischen Beziehungen bildeten den Schlüssel zum Erfolg.

Seit Ihrem freiwilligen Ausscheiden aus dem Deutschen Bundestag sind Sie kein Mitglied der Deutsch-Koreanischen Parlamentariergruppe mehr, dessen Vorsitz Sie auch lange innehatten. Besteht auch weiterhin Kontakt zu den derzeitigen Mitgliedern?

Nach meinem freiwilligen Ausscheiden aus dem Deutschen Bundestag bin ich von der Bundesregierung gebeten worden, weiter für das Amt des deutschen Ko-Vorsitzenden des Deutsch-Koreanischen Forums zur Verfügung zu stehen. Dabei steht für mich naturgemäß die Zusammenarbeit mit der Deutsch-Koreanischen Parlamentariergruppe des Bundestages unter Vorsitz der sächsischen Abgeordneten Katharina Landgraf sehr im Vordergrund, da hier Bundestagsabgeordnete zusammenwirken, die sehr für die Beziehungen zwischen Deutschland und Korea engagiert sind.

Sie sind ehrenamtlich außerordentlich engagiert und setzen sich für mehrere Vorhaben ein. Gibt es Parallelen zu anderen Organisationen und können Lerneffekte für die Arbeit des Netzwerks gezogen werden?

Natürlich sind die besonderen Jugendwerke zwischen Deutschland und Frankreich sowie zwischen Deutschland und Polen leuchtende Vorbilder für die Strukturen eines Beziehungsgeflechtes junger Menschen im bilateralen Kontext. In den deutsch-koreanischen Beziehungen hat das Juniorforum, das alljährlich parallel zum Deutsch-Koreanischen Forum tagt inzwischen ein Alleinstellungsmerkmal erreicht. Da lag der Gedanke nahe, daraus ein Netzwerk „Junge Generation Deutschland-Korea“ zu entwickeln, in dem natürlich auch junge Menschen willkommen sind, die noch nicht an einem Juniorforum teilgenommen haben, sich aber für den wechselseitigen Austausch junger Menschen interessieren und engagieren wollen.

Als Koreaexperte sind Sie in den Medien sehr gefragt und oftmals als Interviewpartner zu sehen. Wie beschreiben Sie die Thematik „Korea“ in der öffentlichen Wahrnehmung und kommen einige Themen des kulturell und ökonomisch reichhaltigen Landes zu kurz?

Oftmals ist das allgemeine Interesse in Deutschland an Korea sehr auf die immer wieder angespannte Lage im Hinblick auf Nordkorea fixiert. Unter Wirtschaftsfachleuten ist natürlich Südkorea als High Tech Industrie – Nation und wichtiger Export-Markt ein fester Begriff geworden. Aber es geht auch um den Wissenschafts- und Kulturaustausch, um die Begegnung der in beiden Ländern stark entwickelten Zivilgesellschaften und es geht um die demokratischen Grundwerte, die wir mit Südkorea teilen sowie um die emotionale Verbundenheit geteilter Nationen.

Innerhalb der Trump-Administration wurde das bilaterale Treffen zwischen den USA und Nordkorea als Meilenstein der Annäherung gefeiert. Wie bewerten Sie die zukünftigen Beziehungen zwischen dem neu gewählten Präsidenten der USA, Joe Biden, und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un und lässt sich aus geopolitischer Sicht bereits eine Tendenz ableiten?

Der künftige US-Präsident Joe Biden wird eine eigene Agenda für die Beziehungen zum geteilten Korea entwickeln. Er wird nicht zu einer Politik des Abwartens wie unter Präsident Obama zurückkehren. Er wird aber auch nicht nur auf spektakuläre Gipfeltreffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un setzen wie der ausscheidende Präsident Trump. Präsident Biden wird einen eher gediegenen und eher grundsätzlichen und längerfristig angelegten Ansatz einer Korea-Politik im multilateralen Kontext verfolgen, was die Einbeziehung der VR China, Russlands, natürlich insbesondere Südkoreas und Japans, eventuell sogar der EU anbelangt. Aber Präsident Biden hat bereits erklärt, dass er auch zu einem Treffen mit Kim Jong Un bereit ist. Vielleicht wird er an die sehr engagierte Korea-Politik von US-Präsident Clinton anknüpfen.

Der Bundeshaushalt hat dem Netzwerk Junge Generation Deutschland Korea neue Fördermittel zugesichert und somit das freiwillige Engagement der letzten Monate gewürdigt. Eine Reputationssteigerung ist demnach nicht von der Hand zu weisen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, in welche Richtung sich das Netzwerk entwickeln wird. Wo sehen Sie das Netzwerk in den nächsten fünf Jahren?

Das Netzwerk hat gute Chancen, zu der entscheidenden Plattform zu werden, was die Kontakte junger Menschen zwischen Deutschland und Korea anbelangt. Schon jetzt zeigen sich gute Ansätze im Bereich Wirtschaft, Wissenschaft, Karrieren-Förderung. Ich wünsche mir, dass dem auch die Vernetzung in den Bereichen Kultur, Sport, Umweltengagement und Zivilgesellschaft folgen. Der Grundstein ist jetzt gelegt, die Potentiale sind vorhanden, einem weiteren Wachstum steht eigentlich nichts entgegen.

Deutschland und Korea sind beides Industrienationen, die stark von der Exportwirtschaft abhängig sind. Welche Kooperationsmöglichkeiten sehen Sie aus ökonomischer Perspektive für beide Länder?

Deutschland und Südkorea arbeiten wirtschaftlich-technologisch bereits erfolgreich und effektiv zusammen. Das Freihandelsabkommen der EU mit Südkorea, dass gerade Deutschland von Anfang an unterstützt hat, hat unserem wirtschaftlich-technologischen Austausch weitere Dynamik verliehen. Wir müssen jedoch auch die Zusammenarbeit im Bereich des Handwerks und des Mittelstandes sowie von Start Up – Unternehmen junger Menschen verstärken. Aber auch eine Zusammenarbeit mit südkoreanischen Unternehmen, die sich bei weiterer Entspannung wieder in Nordkorea engagieren, z.B. in einer wieder auflebenden Süd-Nord-Industriezone in Kaesong, erachte ich als sehr wichtig.

Innerhalb des Netzwerks ist es unser langfristiges Ziel auch nordkoreanische Jugendliche zu erreichen. Wie schätzen Sie die Umsetzungsfähigkeit dieses Vorhabens ein?

Bereits im vergangenen Jahr ist es ja zu einer Begegnung von Netzwerk-Mitgliedern mit nordkoreanischen Germanistik-Studenten gekommen, die auf Einladung des Korea-Instituts der Freien Universität in Berlin weilten. Bei einem weiteren politischen Tauwetter auf der koreanischen Halbinsel halte ich es für sehr realistisch, dass das Netzwerk dann auch Begegnungen junger Menschen aus Süd- und Nordkorea mit jungen Deutschen organisiert.

Seit rund zwei Jahrzehnten reisen Sie in regelmäßigen Abständen nach Korea. Gibt es einen Moment, der in dieser langen Zeit besonders hervorsticht?

Von Anfang an hat mich Korea bei meinen Reisen begeistert, sowohl der Süden, aber auch der Norden: die Landschaften, die großartige Kultur, die wunderbaren Menschen, das Wechselspiel zwischen Moderne und Tradition, aber auch die Entschlossenheit bei der Überwindung von Krisen, sei es die Asienkrise in den 90er Jahren, die politische Krise unter Präsidentin Park Geun-hye und jetzt die Corona-Krise. Korea orientiert sich immer gerne am deutschen Beispiel, aber auch wir können sehr viel von Korea lernen.

Die Fragen stellte Paul Schönewald, Arbeitsgruppe externe Kommunikation des Netzwerks Junge Generation Deutschland-Korea.

Zur Internetseite des Netzwerkes mit den Fragen an Hartmut Koschyk gelangen Sie hier.

Weiterführende Informationen zum Deutsch-Koreanischen Forum finden Sie hier.

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