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Patrick Pietsch: Mein Praktikum im Deutschen Bundestag
20. März 2015
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Patrick Pietsch aus Goldkronach gemeinsam mit dem Bayreuther Bundestagsabgeordneten, Bundesbeauftragten Hartmut Koschyk

Praktikumsbericht
Von Patrick Pietsch

Studiert man Geistes- und Gesellschaftswissenschaften an einer Universität, spricht man in der Wissenschaft metaphorisch von einem „Elfenbeinturm“, in dem man sitzt und von oben herab auf den Alltag unserer Gesellschaft schaut. Ich sprang für vier Wochen aus diesem Turm und werde zukünftig gewiss mit einem etwas divergenten Urteil von ihm hinabblicken.

Der Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Bayreuth-Forchheim und Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk, gab mir die großartige Möglichkeit, während meiner Semesterferien ein Praktikum in seinem Bundestagsbüro in Berlin zu absolvieren. Ich studiere im fünften Fachsemester Politikwissenschaften und Philosophie an der Universität Kassel und war somit auf die Eindrücke und Aufgaben des politischen „Tagesgeschäfts“ im Bundestag sehr gespannt.

An meinem ersten Praktikumstag wurde ich nach der Sicherheitskontrolle am Eingang des Paul-Löbe-Hauses vom Leiter des Bundestagsbüros von Hartmut Koschyk, Herrn Thomas Konhäuser, empfangen. Herr Konhäuser machte mich zunächst mit meinem Arbeitsplatz für die nächsten vier Wochen bekannt und konsultierte mich, nach gegenseitigem kennenlernen auch umgehend mit der Aufgabe an einer Präsentation über Schlesien und die dortige deutsche Minderheit mitzuarbeiten. Die Präsentation benötigte Herr Koschyk für einen Vortrag über Schlesien im Rahmen der Veranstaltungsreihe der Orts- und Kreisgruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft Bayreuth zum 70. Jahrestag der Vertreibung. Diese, wie auch sämtliche weitere Aufgaben die ich im Laufe meines Aufenthalts in Berlin bekam, sollten mein politisches und allgemeines Wissen über die unterschiedlichsten Dinge nachhaltig prägen.

Am zweiten Tag bekam ich einen Bundestags Hausausweis, der mir nun Zugang für (fast) alle Räumlichkeiten des Deutschen Bundestags verschaffte. Herr Konhäuser führte mich fast zwei Stunden lang durch das Paul-Löbe-Haus, das Reichstagsgebäude, das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus und das Jakob-Kaiser-Haus und gab mir detaillierte Informationen und Auskünfte über Arbeitsplätze, Arbeitsvorgänge bis hin zur architektonischen Kunst in den Bundestagsgebäuden. Dies war für mich persönlich sehr interessant, da ich zuvor noch nie eine Führung durch den Bundestag bekam. Mein „Rundgang“ mit Herrn Konhäuser führte durch alle Häuser, über die Spree, unter der Spree hindurch, bis hoch auf die berühmte Glaskuppel des Reichstags.
Besonderen Eindruck hinterließen bei mir hierbei die verschiedenen Mahnmale bezüglich der Berliner Mauer und des zweiten Weltkriegs, die fest mit den Gebäuden des Deutschen Bundestages verankert sind. So gibt es beispielsweise Steinwände im Reichstag, an denen man Graffitis von sowjetische Soldaten erkennen kann, die diese 1945 an das Gebäude geschrieben haben. Den Abgeordneten soll dies stets vor Augen führen, was für ein dunkles und schreckliches Kapitel die Machtergreifung der Nationalsozialisten für die deutsche Politik und Geschichte bedeutete.
Während meiner ersten Woche machte mich Herr Konhäuser mit den Aufgaben und Büroabläufen in einem Bundestagsbüro bestens Vertraut, so dass ich mich schon nach wenigen Tagen sehr wohl und eingespannt fühlte.

Während meines Praktikums im Deutschen Bundestag hatte ich auch die Gelegenheit den Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Enwicklung, Dr. Gerd Müller MdB, kennenzulernen

Während meines Praktikums im Deutschen Bundestag hatte ich auch die Gelegenheit den Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Enwicklung, Dr. Gerd Müller MdB, kennenzulernen

In der zweiten Woche wurde es für mich nochmals richtig spannend: Ich konnte zunächst an der Sitzung der Arbeitsgruppe Finanzen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion teilnehmen und bekam somit einen direkten Einblick in alltägliche politische Parteiarbeit. Es war für mich als Politikstudent unheimlich interessant den Abgeordneten des Deutschen Bundestags und ihren Mitarbeitern bei der Arbeit über den Rücken schauen zu dürfen und dabei mitten im Geschehen zu sein. Am nächsten Tag durfte ich den Finanzausschuss besuchen und sah das erste Mal wie die Akteure der unterschiedlich Bundestagsfraktionen miteinander und auch gegeneinander debattierten. Das Mehrheitsverhältnis in den Ausschüssen spiegelt das Mehrheitsverhältnis im Parlament wieder, dementsprechend ist solch ein Ausschuss faktisch wie eine kleinere Parlamentssitzung zu betrachten.

Am Ende der Woche standen mir zwei weitere Höhepunkte bevor: Ich bekam die Möglichkeit einen Vormittag auf der Besuchertribüne des Plenarsaals zu verbringen und die Abgeordneten sowie diverse Bundesminister bei Debatten über den Entwurf eines Gesetzes zur Dämpfung des Mietanstiegs und Diskussionen rund um den seit Anfang des Jahres geltenden Mindestlohn zu beobachten. Des Weiteren hatte ich die Ehre, den Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Herrn Dr. Gerd Müller, kennenzulernen.

Meine dritte Arbeitswoche verging, wie auch schon die beiden anderen zuvor wie im Flug. Da diese eine Sitzungsfreie Woche war konnte ich mich gemeinsam mit Herrn Konhäuser gänzlich auf die alltäglichen Aufgaben im Bundestagsbüro konzentrieren. Herr Konhäuser erklärte mir stets neue Arbeitsvorgänge und Aufgaben und gab mir darüber hinaus immer wieder interessante Informationen über die aktuelle Arbeit von Herrn Koschyk in seiner Funktion als Beauftragter für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten.

In meiner letzten Praktikumswoche ging es dann nochmals hoch her: Gleich am Montag konnte ich einer Öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Wirtschaft und Energie beiwohnen, in der es unter anderem um Verhandlungen zum EU-USA Freihandelsabkommen TTIP ging. Da man sowohl in den Medien als auch an der Universität als Politikstudent an diesem Thema nicht vorbeikommt und ich somit schon im Vorfeld sehr gut darüber informiert war, war diese eine der fesselndsten Debatten die ich in einem Ausschuss miterleben durfte. Am Dienstagmorgen ging es für mich direkt weiter mit einer Sitzung der Arbeitsgruppe Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Mittwoch konnte ich ein weiteres Mal in dieser Woche in den Ausschuss für Wirtschaft und Energie. Für diesen informierte ich mich vorher intensiv mit Hilfe der detaillierten Anträge und Informationen aus dem Intranet des Deutschen Bundestages, in dem es zu fast jedem Ausschuss und jeder Sitzung Dokumente gibt, welche man sich schon vorab ausdrucken bzw. auf dem Rechner durchlesen kann.

Am Ende der Woche konnte ich nochmals in den Plenarsaal und hatte die Möglichkeit die Abgeordneten zu beobachten und so weitere Eindrücke zu sammeln wie die Arbeit im Parlament tatsächlich abläuft. Dies live und vor Ort zu sehen ist etwas ganz anderes als die Übertragung in den Medien zu verfolgen. Man erhascht rundum weitaus mehr Eindrücke und kann sich einen groben Überblick verschaffen, wie das Gegen- und Miteinander der Parlamentarier vonstattengeht.

Das Fazit meines Praktikums kann man aus meinem Bericht vermutlich schon herauslesen. Ich bin überhäuft von neuen und interessanten Eindrücken über die politische Arbeit des Deutschen Bundestages. Im Nachhinein kann ich behaupten das ich trotz meines Studiums der Politikwissenschaft doch relativ wenig über das eigentliche, tagespolitische Geschäft in Berlin und dessen genauen Abläufe wusste.

Niemand sollte sich der Annahme hingeben man wisse was „die Politiker da oben“ und deren Mitarbeiter leisten, denn es ist sicher gänzlich anders, als es in jeglichen Medien dargestellt wird. Auch ist es mir wichtig, hier meinen persönlichen, sehr positiven Eindruck über den parteienübergreifenden und freundlichen Umgang der Parlamentarier und deren Mitarbeitern untereinander darzulegen. Es war mir eine große Freude die Möglichkeit zu haben für einen längeren Zeitraum in einem Bundestagsbüro aktiv mitzuwirken.

Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals beim MdB Herrn Hartmut Koschyk bedanken, dass er mir die Chance gab ein Praktikum im Deutschen Bundestag zu absolvieren, aus dem ich mit wahnsinnig vielen wundervollen Erfahrungen wieder in meinen Unialltag gehen kann.

Insbesondere danke ich Herrn MdB Koschyk, dass er mir in einem persönlichen Gespräch wertvolle Informationen über seine Arbeit als Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten sowie als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Bayreuth-Forchheim, aber auch über die Arbeitsweise des Deutschen Bundestages, aus erster Hand gab.

Ganz besonderer Dank gilt darüber hinaus dem Leiter des Bundestagsbüros, Herrn Thomas Konhäuser, der wahrlich alles in seiner Macht stehende für mich arrangiert und organisiert hat und mir stets mit Rat und Tat zur Seite stand. Die Zusammenarbeit mit ihm und besonders seine Ratschläge brachten mir, neben meinen Besuchen in den verschiedenen Ausschüssen und Sitzungen, enorm viel neuen Weitblick für meine weitere akademische und berufliche Zukunft.

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